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Tag der Gleichstellung und Anerkennung der Gebärdensprache

Bericht von Isolde Stohr, Daniela Klug 01.03.2002

Der Beruf des Gebärdensprachdolmetschers beinhaltet nicht nur das reine Dolmetschen. Die angehenden Dolmetscherinnen sollten auch über die aktuellen politischen Entwicklungen im Bereich Anerkennung der Gebärdensprache Bescheid wissen.

In die Praktikantenzeit von Isolde und Daniela, bei meinem Kollegen Waldemar Schwabeland und mir, fiel die Bundestagsabstimmung zum Gleichstellungsgesetz für Behinderte.

Isolde

Isolde Stohr

Daniela

Daniela Klug

 

Hier ihr gemeinsamer Kurzbericht über die wichtigsten Neuerungen:

Tag der Gleichstellung

Am Donnerstag, 28.02.2002 hat der Bundestag das Bundesgleichstellungsgesetz (BGG) verabschiedet. Gab es von den einzelnen Parteien noch den ein oder anderen Kritikpunkt, so waren sich doch alle in einem Punkt einig:

"DAS BGG MUSS VERABSCHIEDET WERDEN."

Die PDS enthielt sich als einzige Partei der Stimme mit der Begründung des Abgeordneten Ilja Seifert (behindertenpolitischer Sprecher) "das Gesetz sei zu schwach ausgestattet und es wäre mehr erreichbar gewesen".

Was bedeutet das BGG (Bundesgleichstellungsgesetz speziell für die Gehörlosen und auch für Gebärdensprachdolmetscher?

Das BGG besagt, dass die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als eigenständige Sprache anerkannt wird! Gehörlose haben somit das Recht im Kontakt mit Trägern der öffentlichen Gewalt in ihrer eigenen Sprache zu kommunizieren und einen Gebärdensprachdolmetscher hinzuziehen zu können. Dieser muss von der entsprechenden Behörde angefordert und bezahlt werden.

Brechen nun für Dolmetscher rosige Zeiten an?

Mussten Gehörlose früher den Dolmetscher aus eigener Tasche bezahlen oder auf die Hilfe von Freunden und Verwandten zurückgreifen, um sich mit Behörden auseinanderzusetzen, so soll es in Zukunft zur Selbstverständlichkeit werden, dass die Kommunikation mittels Dolmetscher reibungslos verläuft. Das bedeutet eine erheblich steigende Nachfrage nach Dolmetschdiensten.

Flexibilität ist gefragt!

Regelt das Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) die Übernahme der Dolmetschkosten im Medizin- und Rehabilitationsbereich, so ist im öffentlich-rechtlichen Bereich in Zukunft das BGG zuständig. Bleibt noch hinzuzufügen, dass das BGG noch vom Bundesrat bewilligt werden muss. Damit keine Lücken entstehen und Bereiche wie Medien (Dolmetschereinblendungen und Untertitel) und Bildung (Unterricht in Gebärdensprache bzw. Einsatz von Dolmetschern im Unterricht) abgedeckt sind, fehlen jetzt noch Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetze auf Länderebene Auch diese werden z. Zt. diskutiert und es bleibt zu hoffen, dass sie innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre verabschiedet werden kann.

 

Hier die Eckpunkte des BGG:

ZIELVEREINBARUNGEN zwischen Unternehmen und Verbänden sollen künftig den Rahmen ausfüllen, den das Gesetz schafft. Die Beteiligten treffen in eigener Verantwortung Regelungen, wie und in welchem Zeitraum Barrierefreiheit konkret zu verwirklichen ist.

BENACHTEILIGUNGSVERBOT FÜR BEHÖRDEN bedeutet, dass kein Amt einem Behinderten etwa die Ausübung eines Berufes wegen des Handicaps untersagen darf. Im Wirtschaftsleben sollen Behinderte einen Schadenersatzanspruch erhalten, wenn sie bei einer Bewerbung vom Arbeitgeber wegen der Behinderung abgelehnt werden.

BARRIEREFREIHEIT IM BAU- UND VERKEHRSBEREICH ist künftig für neue Dienstgebäude vorgeschrieben. Sie müssen rollstuhlgeeignet sein. Auch die Bahn wird dazu angehalten, ihre Neufahrzeuge und neuen Anlagen entsprechend zu planen und zu bauen. Gaststätten in neu errichteten Gebäuden sollen ebenfalls für Rollstuhlfahrer bequem zugänglich sein.

GEBÄRDENDOLMETSCHER sollen Hörbehinderten in Verwaltungsverfahren helfen, mit allen Bundesbehörden zu kommunizieren. Die Betroffenen haben auf die Gebärdendolmetscher in diesen Fällen einen Rechtsanspruch.

Ein eingeschränktes VERBANDSKLAGERECHT für Behindertenverbände gibt diesen die Möglichkeit, Behördenentscheide gerichtlich überprüfen zu lassen.

BARRIEREFREIE WAHLEN meint, blinden Menschen bei Bundestagswahlen durch Wahlschablonen die Abstimmung ohne fremde Hilfe zu ermöglichen.

CHANCENGLEICHHEIT BEIM HOCHSCHULSTUDIUM soll erreicht werden, indem neben der behindertengerechten Gestaltung der Gebäude auch bei Prüfungen die Belange Behinderter besonders berücksichtigt werden.

Durch REFORM DES MIETRECHTS sollen behinderte Mieter die Möglichkeit erhalten, ihre Wohnung und die Zugänge dazu entsprechend ihren Bedürfnissen umzubauen.

Isolde Stohr / Daniela Klug

 

 
 
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