Verlag Karin Kestner

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Verlag für Gebärdensprache und Themen der Gehörlosigkeit

 

Presse und Anwender-Beurteilungen

Händemeer

Händemeer

was andere dazu sagen ...

 
 

wie weltumspannend, wie interkulturell und funktionstüchtig die Gebärdensprache ist

Die Autoren erzählen die Geschichte eines kleinen gehörlosen Jungen, der durch das Händemeer die Gebärdensprache kennen lernt. Dargeboten wird diese Geschichte auf CD Rom, wobei hier Bild, Text, Deutsche Gebärdensprache und lautsprachbegleitende Gebärden angeboten werden. Das Begleitbuch zur CD Rom beinhaltet dieselbe Geschichte mit dem entsprechenden Text.

Die schönen Illustrationen im Begleitbuch und auf der CD Rom erzählen und ergänzen den Text und die in Gebärden dargestellte Geschichte in hervorragender Art und Weise. Bei der CD Rom ist es so, dass der entsprechende Text wahlweise in LBG oder in DGS gebärdet wird. Bei der Erzählform in DGS kann man den Text mitlesen. Zusätzlich gibt es bei der Erzählform in LBG die Möglichkeit gleichzeitig den Text zu hören und mitzulesen. Dies erleichtert vor allem den weniger in Gebärdensprache versierten Benutzern, z.B. Eltern und Pädagogen, das Erlernen und Verstehen der entsprechenden Gebärdenzeichen.

Die Geschichte des gehörlosen Jungen Lunian, der sich auf die Suche zum Händemeer macht, um die Gebärdensprache zu erlernen, richtet sich vor allem an gehörlose Kinder, die in ihrer Unsicherheit auf dem Weg zur gebärdensprachlichen Kommunikation hier erfahren können, wie weltumspannend, wie interkulturell und funktionstüchtig die Gebärdensprache ist. Diese Intention vom Händemeer, der Fantasy-Geschichte um Lunian, dem gehörlosen Jungen, wird durch die CD Rom mit Begleitbuch in einer ansprechenden Form vermittelt.

Dieter Reitemeyer, Förderschullehrer, Beurteilung für die Fachkommission der KMK, Nov. 2006

 

Davon träumt jedes Kind

Davon träumt wohl jedes gehörlose Kind: weltweit kommunizieren zu können, mit Gebärden. In der neuen Fantasy-Geschichte aus dem Verlag Karin Kestner wird dieser Traum wahr. Medium ist nicht etwa das Internet, sondern das Meer, dessen Wellen gebärden können. Eine süße Geschichte, vom gehörlosen Pädagogen Knut Weinmeister in DGS vorgetragen - ein Hochgenuss! Aber natürlich kann man auch auf LBG, Sound und Schriftsprache umschalten - ganz nach den Wünschen, Bedürfnissen und Fähigkeiten der Kinder. Und ein Buch gibt es gleich dazu. Eine Gutenachtgeschichte lässt sich nun mal an der Bettkante schlecht per Computer erzählen. Und nachdem Kinder und Eltern die Geschichte einige Male von der CD gesehen haben, können sie sie sicher auch selbst gebärden! ;-)

Bernd Rehling, Taubenschlag

 

"Will ich auch -"

- rief ein gehörloses Mädchen spontan - und als das letzte Bild gezeigt und die letzte Seite mit DGS - Gebärdenvortrag beendet war - herrschte zunächst Stille!

Alle - tatsächlich alle Kinder, Praktikantinnen und Kollegen ließen die Geschichte wie nach einem Kinofilm nachwirken.

Fantasy- Abenteuer - von wegen. An vielen Stellen ist das doch der Lebensalltag gehörloser Kinder in Deutschland. Nach einer Phase der Distanz und sprachlosen Ferne entsteht das dumpfe Gefühl des "Andersseins" und wenn sie Glück haben, geraten sie auf dem Schulhof und später im Gehörlosenverein zum Händemeer. Wenn sie Pech haben zieht sich der Prozess der Entwicklung einer barrierefreien, entspannten Kommunikationsmöglichkeit über Jahre hin. Oftmals sind sie es, die ihren Eltern mit Händen, Körper und allem was ihnen an "natürlichen Gesten" zur Verfügung steht, ihre Not vermitteln wollen. Immer wieder sind sie ausgeschlossen vom Sprachgeschehen rund um sie herum. Immer wieder fehlen aber auch die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten, um über Geschehnisse, Personen, Erfahrungen, Wünsche oder Ängste detailliert berichten zu können. Wenn sie in der Gemeinschaft mit anderen gehörlosen Kindern und entsprechenden Sprachvorbildern erste kommunikative Möglichkeiten entwickelt haben, zeigt sich, dass viele Menschen außerhalb dieses Personenkreises ihre Gedanken und Mitteilungsversuche nicht verstehen können. Immer wieder stehen sie selbst ihren Eltern mit ihren neu gewachsenen Kommunikationsmöglichkeiten gegenüber, ohne auf einen befriedigenden Austausch hoffen zu können. Nun sind es die Eltern, die das Gefühl von "Anders-Sein" nicht mehr ignorieren können. Dabei gibt es inzwischen gute Chancen, die Gebärdensprache zu erlernen und die Kommunikation zwischen den beiden Welten zu verbessern.

Mit dieser CD "Händemeer" erhalten alle Interessierten eine weitere Hilfe bei diesem Bemühen.

In dieser Geschichte geht alles gut aus. Unser Held Lunian macht sich auf die lange und beschwerliche Reise zur Befreiung von der Sprachlosigkeit. Mit 12 Jahren macht er sich auf den Weg. Meine Schüler sind nun in diesem Alter. Sie erleben, wie sie in der Schule, im Unterricht Fragen beantworten und eigene Erfahrungen mitteilen können. Sie haben schon viel von dem gelernt, was Lunian noch vor sich hat. Und doch ahnen sie, dass noch eine unglaubliche Anstrengung vor ihnen liegt, bis sie über sprachliche Mittel verfügen, die eine störungsarme, barrierefreie Kommunikation ermöglicht. Vorrangiges Ziel im Unterricht der Gehörlosenschule ist und bleibt eine möglichst hohe Lautsprachkompetenz. Eine solide Gebärdensprachkenntnis ist dabei eine unschätzbare Hilfe.

Eine alte weise Frau vermittelt Lunian das Gefühl von Hoffnung. Sie lässt in ihm die Kraft wachsen, sich auf den eigenen Instinkt verlassen zu dürfen. Sie konzentriert sich in ihrer Zusprache auf die Stärken Lunians - das Sehen. Sie bringt Geduld auf und lässt so in ihm langsam Verständnis für erste kommunikative Aktionen wachsen. Lunian wird an die Hand genommen. Er wird aus der Isolation und inneren Abgeschlossenheit herausgeführt. Er macht sich etwas naiv und unbesorgt auf den Weg und findet tatsächlich das Ziel. Dort verweilt er und findet die notwendige Unterstützung. Er muss ziemlich viel Geduld aufbringen. In der Geschichte wird diese langwierige und schwierige Phase des Spracherwerbs aber nicht thematisiert. Plötzlich gelingt es ihm immer besser aus dem "Bewegungsbrei" der Wellen sinnvolle Einheiten zu erkennen. Zunächst erkennt er die Bedeutung einzelner Handzeichen - später begreift er ganze Gebärdensequenzen, die von einem weit entfernten Gesprächspartner um die halbe Welt geschickt wurden. Mit Internet und GebärdenSchrift ist das heute ja durchaus vorstellbar.

Für was interessierten sich die Kinder bei der Betrachtung der Geschichte?

So so - der Mann ist gehörlos? Wie heißt er? Wie ist sein Gebärdenname? Wie alt ist er? Ist er schlau? Was arbeitet er? Wo lebt er? Hat er Deutsch gelernt? Musste er als Kind viel schreiben?

Hier zeigt sich also das lebendige Interesse gehörloser Kinder an geeigneten erwachsenen Rollenvorbildern. Selten genug begegnet ihnen ein Erwachsener, der wie sie selbst gehörlos ist und ihre Alltagserfahrungen und Zukunftsphantasien teilen könnte. Andere Fragen bezogen sich auf technische Fragen. Wie haben die das hingekriegt, dass der Mann so plötzlich im Bild sitzt? Und die Hände, die da plötzlich aus dem Meer auftauchen - das ist doch nicht zu glauben- sind das die Hände von dem Mann? Die Zunge in der Wange meiner Schüler deutet an, dass die Kinder ahnen, dass hier Tricks angewandt wurden. Warum verändert der Mann in den verschiedenen Szenen immer wieder seine Position? Mal steht er. Mal sitzt er?

Einige Gebärden sind neu - das bezieht sich hauptsächlich auf Idiome - (er schaut sich so gerne die Menschen an; er stößt in der Kommunikation auf Grenzen; der Gebärdenname "Händemeer",

Das Fingeralphabet bei den beiden Hauptpersonen war etwas schnell. Hin und wieder wendet sich der Erzähler zu weit zur Seite, so dass das Gesicht schwer zu erkennen ist. Ein Hinweis auf den Ursprung der Gebärdennamen ("Hemdkragen" und "Spitznase") wäre wünschenswert.

Für Belustigung sorgte die Feststellung, dass der Erzähler auf einem Teller sitzt, während Lunian seine Eltern über seine anstehende Reise informiert. Ein Fisch hat Glück. Er springt aus dem Korb am Hafen und entkommt so der Bratpfanne. Die Bilder lösten bei den Kindern immer wieder ein lautes "Ah" und "Oh" aus. Mit Beamer auf die Leinwand projiziert, wirken sie tatsächlich sehr faszinierend - nicht nur auf Augenmenschen. Da gibt es so viel zu entdecken. Unendlich viele Anreize für Such-Quizfragen, Verständnisfragen, Anregungen zur Wortschatzerweiterung - einfach klasse. Der Gebärdenvortrag lässt sich über das Hauptmenü wunderbar steuern.

Zunächst kann man in aller Ruhe das Bild auf sich wirken lassen. Bei späteren Wiederholungen kann man zunächst die Erinnerungen der Kinder abrufen. Der DGS - Vortrag ist so gehalten, dass die gehörlosen Kinder meiner Klasse (G4/G5) problemlos dem Hauptstrang der Geschichte folgen konnten.

Bei der wiederholten Präsentation kann man über die Pausentaste unmittelbar auf Verständnisschwierigkeiten der Schüler eingehen. Manchmal wünschte ich mir eine Rückspulmöglichkeit, um den Gebärdenvortrag nicht jedes mal ganz von Beginn starten zu müssen.

Ich habe mich entschlossen, meinen Schülern die Geschichte zunächst im ganzen Stück anzubieten. Nun bietet es sich an, jedes Bild und jede Gebärdensequenz noch einmal detailliert zu behandeln und das Verständnis der Kinder für diese Ausdrucksmöglichkeiten der Gebärdensprache zu erweitern und dialektale Abweichungen zu behandeln. Man kann durch Verständnisfragen absichern, dass der Gebärdenvortrag tatsächlich verstanden wurde.

Schwerhörige Kinder könnten die LBG - Fassung mit gesprochener Sprache anschauen. Wahrscheinlich werden schwerhörige und hörende Kinder vom Lautsprachvortrag auch mehr profitieren. Es ist doch wunderbar, dass die Macher dieser CD diese Optionen offen halten und es dem Anwender überlassen, welche Art der Präsentation er bevorzugt. Wie arbeiten wir im Unterricht der Gehörlosenschule mit dieser wunderbaren CD?

Die CD nimmt im Deutschunterricht über einen längeren Zeitraum einen wichtigen Platz ein. Dank des Begleitheftes lassen sich die Texte zu den einzelnen Bildern in aller Ruhe nacharbeiten.

Eine spezielle Chance zur Lautspracherweiterung und - festigung bietet sich mit der Übersetzung der LBG - Fassung. Ich habe die gesamte Geschichte in GebärdenSchrift (LBG - Fassung) übertragen. Nun zeigt sich, wie hoch die sprachlichen Anforderungen liegen. Während das schwerhörige Kind, das die Lautsprache über das Ohr noch aufnehmen kann, auf viele bekannte Wörter und Ausdrücke stößt, steht dem gehörlosen Kind hier eine unglaublich anspruchsvolle und mühsame Aufgabe ins Haus. Erst, wenn das gehörlose Kind praktisch eine fehlerlose Reproduktion des deutschen Textes auf der Grundlage der GebärdenSchrift- Vorlage erstellen kann, ist davon auszugehen, dass es die lautsprachlichen Angebote verwerten kann. Die Vertrautheit mit dem Inhalt aufgrund der DGS-Fassung kann gar nicht hoch genug bewertet werden.

Es ist ein hohes Verdienst der Produzentin, dass sie uns Gehörlosenpädagogen ein Medium in beiden Sprachen zur Verfügung stellt. Die hervorragende Erzählkunst von Knuth Weinmeister öffnet das Fenster für das Verstehen der Idee. Auch wenn nicht jede Gebärde im Einzelnen von den Kindern auf Anhieb verstanden wird - so begreifen die gehörlosen Zuschauer durchaus, dass hier erzählt wird. Erzählen heißt, sich anregen lassen. Erzählen heißt, die Gedanken des anderen mit den eigenen Vorerfahrungen und dem eigenen Weltwissen abzugleichen. Einer Erzählung folgen heißt auch, eine zeitüberdauernde Aufmerksamkeit aufbringen zu können.

Vor einem Jahr hätten meine Schüler unmöglich die Geduld und das Interesse für eine so lange Geschichte aufbringen können. Da Karin Kestner die CD - so produziert hat, dass einzelne abgeschlossene Gebärdensequenzen ganz bestimmten Bildern zugeordnet sind, lässt sich dieses Problem sicher leicht lösen, indem man jeweils abschnittsweise vorgeht und mit Blick auf die speziellen Lernvoraussetzungen Schüler nur eine oder zwei Seiten behandelt.

Lunian ist eine Identifikationsfigur, die eigene Erfahrungen vieler gehörloser Kinder widerspiegelt. Ja - so geht es mir auch - und ja - ich will das auch so, dass meine Eltern mich verstehen, dass ich Gebärdensprache lerne, dass ich nicht mehr allein bin, dass ganz viele Menschen ganz selbstverständlich die Gebärdensprache beherrschen. Ja, ich kenne das Gefühl, wenn man vom Spiel mit anderen Kindern ausgeschlossen ist. Ich kann den Lunian gut verstehen. Und dann fingen wir an und spielten Sequenzen der Geschichte nach. Ilker spielt den Lunian - o.k.

Du sitzt oben in der Eiche. (Für den Biologieunterricht benötigen wir hier die Fachgebärden! Dass sich Eiche von Baum nur durch das Mundbild unterscheidet, kann nicht sein ! Jetzt beobachtest du den Marktplatz. Da steht der Lehrer und spricht ohne gebärdensprachliche Begleitung mit der Praktikantin. Das sind zwei Erwachsene in Lunians Dorf . Wie heißt das Dorf? Wie geht es dir? Was siehst du? Was verstehst du? Vier Kinder bilden einen Kreis und spielen ausgelassen. Lunian zeigt sein Ausgeschlossensein an. Die Kinder spielen weiter. Es interessiert sie nicht. Sie haben untereinander keine Verständigungsprobleme.

Zusammenfassend kann ich Karin Kestner und ihrem Team zum großartigen Gelingen dieser Gebärdensprach- CD nur gratulieren. Ich wünsche vielen Kindern und Betreuern von gehörlosen Kindern, dass sie die Chance haben, das "Händemeer" zu erobern!

Stefan Wöhrmann

Osnabrück, September 2004

Diplom- Psychologe Studienrat am LBZ-H Osnabrück

Klassenlehrer eine Gehörlosenklasse G4/G5/Gl6

 

 

 
 
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