Untenstehender Brief wurde mir von der Mutter zur
Veröffentlichung zugesandt! Er wurde an das
Kultusministerium Hessen, mit der Bitte um Antwort,
geschickt. Wenn zu solchen Mitteln gegriffen werden muss,
kann man sich vorstellen, welche Not bei Kindern und Eltern
herrscht.
Dass es solche Pädagogen noch an hessischen
Hörgeschädigten-Schulen gibt, erschreckt und stärkt den
Wunsch nach Abschaffung solcher Sondereinrichtungen. Des
Weiteren muss man sich fragen, ob es sich hier um die
Meinung einer einzelnen Lehrerin handelt, oder um die
Doktrin der Schulleitung. Wielange müssen die Kinder noch
warten, bis Pädagogen kommen, die sich an ihren Bedürfnissen
orientieren?
Lesen Sie den offenen Brief und machen Sie sich Ihr eigenes
Bild:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein 16-jähriger Sohn hat eine an Taubheit grenzende
Innenohrschwerhörigkeit. Er hat einen Regelkindergarten mit
Einzelintegration besucht und kam dann an die Schule für
Hörgeschädigte in Frankfurt, die Schule am Sommerhoffpark.
Bei ihm wurde sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt.
Er wurde In Frankfurt stets mit Gebärdensprache
unterrichtet.
Mein Sohn wächst laut- und gebärdensprachlich auf, wobei die
Gebärdensprache im Vordergrund steht. Seit August diesen
Jahres besucht er ein BVJ (Berufsvorbereitungsjahr) im
Bereich Hauswirtschaft - in Friedberg an der
Johannes-Vatter-Schule. Jetzt nach gut 3 Monaten an dieser
Schule zeigt sich immer mehr, dass Hörgeschädigten Schule in
Hessen nicht gleich Hörgeschädigten Schule ist. Es ist
wirklich unglaublich welche Unterschiede bestehen. Ich ging
davon aus, dass es dafür einheitliche Regelungen in Hessen
gibt.
In Friedberg wird zum Bespiel im Mathematikunterricht keine
Gebärdensprache angeboten, deswegen hatte ich bereits mit
der Schule Kontakt aufgenommen, worauf hin ich einen Anruf
der Mathe-Lehrerin erhalten habe. Ich habe sie darüber
informiert, dass mein Sohn dem Unterricht überhaupt nicht
folgen kann, da sie keine Gebärdensprache benutzt und in
Richtung Tafel spricht, so dass mein Sohn keine Möglichkeit
hat von den Lippen zu lesen. Ich habe dann die Antwort von
ihr erhalten, dass er ja gar nicht so schlecht hören würde
und er solle zuhören. (er hat eine an Taubheit grenzende
Innenohrschwerhörigkeit!) Ich wies die Dame nochmals darauf
hin, dass mein Sohn hauptsächlich über die Gebärdensprache
in der Lage sei dem Unterricht zu folgen! Dazu kam dann die
Antwort, dass sie nichts von der Gebärdensprache halte und die Kinder, die vom
Sommerhoffpark kämen, alle verwöhnt seien. Ich sagte ihr
dann, dass ich versuchen würde meinem Sohn den Mathestoff
selber beizubringen, worauf hin sie dann meinte, -
das wäre ja toll,
dann müsse sie sich ja nicht mehr so abmühen. Zumal -
wenn man Kinder nur 1-2 Jahre unterrichtet - man ja sowieso
keine Bindung aufbauen würde.
Nun kam mein Sohn mit seinem ersten Deutschtest nach Hause.
Er hat wohl den Inhalt der Fragen verstanden und auch
beantwortet, aber die typischen Fehler, die Gehörlose
machen, eben auch gemacht.
Beispiel: Es wurde nach dem Wort „Haarsträhne“ gefragt und
mein Sohn hat „Haare-Strähne“ geschrieben, dafür gab es
Punktabzug. Am Sommerhoffpark wurde dafür kein Punktabzug
vorgenommen, denn es ist bekannt, dass Kinder mit großer
Hörschädigung Probleme mit der Grammatik und Rechtschreibung
haben.
Wieso wird dies an 2 Schulen in Hessen unterschiedlich
bewertet?
Was sagt das Thema Nachteilsausgleich hierzu?
Weiter fällt seit Wochen der Praxisunterricht in
Hauswirtschaft aus. Wie sollen die Kinder die Prüfung
schaffen, wenn wochenlang kein Unterricht stattfindet?
Ebenso fällt seit Beginn des Schuljahres der Sportunterricht
aus.
Deswegen wende ich mich nun direkt an Sie,. Es kann meiner
Meinung nicht sein, dass mein Sohn eine Schule für
Hörgeschädigte besucht und man dort nicht in der Lage ist
auf seine Hörschädigung einzugehen.
Bitte beantworten Sie mir folgende Fragen:
Hat mein Sohn ein Recht auf Unterricht in Gebärdensprache?
Warum wird an zwei Schulen in Hessen unterschiedlich bei der
Benotung gearbeitet?
Wie soll mein Sohn eine praktische Prüfung in Hauswirtschaft
ablegen, wenn der Unterricht über Wochen ausfällt?
Wie kann eine Note in Sport festgestellt werden, wenn auch
dieser Unterricht seit Schulbeginn ausfällt?
Wie wird der Nachteilsausgleich an Schulen für
Hörgeschädigte umgesetzt? Muss dieser beantragt werden oder
ist es selbstverständlich, dass dieser greift?
Was beinhaltet der Nachteilsausgleich für hochgradig
hörgeschädigte Schüler?
Es ist sehr erschreckend für mich als Mutter, welche
Veränderung mein Sohn zurzeit durch macht. Mein Sohn war bis
August ein glücklicher, motivierter junger Mann, der immer
gerne zur Schule ging und fröhlich war, aber von Tag zu Tag
wird er immer bedrückter und unglücklicher. Außerdem stellt
sich mir auch die Frage, für was er überhaupt auf diese
Schule geht, wenn man überhaupt nicht in der Lage ist, ihn
dort auf die kommenden Prüfungen vorzubereiten. Dies
bedeutet für meinen Sohn, dass er ein Jahr an dieser Schule
verschenkt hat und Wohl oder Übel dieses Schuljahr an einer
anderen Schule erneut absolvieren muss und von Tag zu Tag
frustrierter nach Hause kommt.
Ich hoffe auf baldige Antwort.