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Helene Jarmer, Präsidentin des österreichischen Gehörlosen-Bundes ist in das Parlament eingezogen

Seit sie die Öffentlichkeit mehr nutzen kann, prangert sie an!

Karin Kestner 28.02.2009

Helene Jarmer, Präsidentin des österreichischen Gehörlosen-Bundes ist in das Parlament eingezogen. Seit sie die Öffentlichkeit mehr nutzen kann, prangert sie an! Die Bildung der Gehörlosen in Österreich ist eine Katastrophe. Pädagogen in Gehörlosen-Schulen können sich nicht mit den Kindern verständigen, geschweige denn sie unterrichten. Es fehlt die Kommunikation in den Familien und in den Kindergärten. Ein großer Teil der erwachsenen Gehörlosen hat massive Probleme mit dem Lesen.

Klare Worte von Frau Jarmer – aber es bleibt nicht beim Anprangern und jammern, sie tut etwas, jetzt hat sie die Position etwas zu tun und packt es an! Ihre Forderung, ÖGS als Unterrichtssprache in den Sonderschullehrplan aufzunehmen, wurde jetzt tatsächlich von Ministerin Schmied in die Planung aufgenommen.

Die Verhältnisse in Österreich kann man 1 zu 1 auch auf Deutschland übertragen. In vielen Familien herrscht Kommunikationsarmut, auch weil Mediziner immer noch Eltern gehörloser Kinder von der Gebärdensprache abraten. Obwohl zig Studien beweisen, dass die Kinder davon riesige Vorteile haben. Die Ergebnisse der Bildung der Gehörlosen kann man auch hier in Deutschland sehen, immer noch gibt es kaum Studierende. Auch hier gibt es zu wenige Pädagogen, um den Kindern Bildung geben zu können, in der Sprache in der sie Bildung aufnehmen können – der Gebärdensprache. In vielen Jahren haben es die meisten Pädagogen in Gehörlosen-Schulen nicht zu eine halbwegs verständlichen DGS geschafft. Frühförderer mit DGS Kenntnissen sind in der Minderheit, schätzungsweise nur 25 % können DGS. Ein paar wenige können noch einige Einzelgebärden, radebrechen mit gehörlosen Eltern; beeinflussen sie auch noch ihre Kinder implantieren zu lassen, oder lassen sie gänzlich außen vor, wenn es um die sprachliche Entwicklung der hörenden Kinder geht.

Ich hoffe sehr, dass auch in Deutschland endlich wahrgenommen wird, was man gehörlosen Kindern antut, wenn sie rein defizitorientiert behandelt werden. Gehörlose Kinder sollten Hörgeräte, und wenn die Eltern ein CI wollen, auch das bekommen. Vorher aber sollten sie darüber aufgeklärt werden, welche Risiken bestehen, und dass die Chance nur 50 zu 50 ist, dass die Kinder auch damit sprechen lernen. Das Hauptaugenmerk aber sollte auf eine barrierefreie Kommunikation gelegt werden. Eltern sollten kostenlose Gebärdensprachkurse angeboten bekommen, sobald sie erfahren, dass das Kind hörgeschädigt ist, wie es in Skandinavien schon lange Standard ist. Das Wichtigste bei der Bindung zwischen Mutter und Kind ist die ungestörte Kommunikation. Für sein Kind können Eltern alles lernen, doch sie brauchen die Unterstützung der DGS-Dozenten und die finanziellen Möglichkeiten regelmäßig Kurse zu besuchen.

Wo sind entsprechende Forderungen des Deutschen Gehörlosenbundes?

Hier das Interview mit Frau Helene Jarmer.

 

 
 
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