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Wörterbuch Gesamt-Gebrauchswortschatz der Deutschen Gebärdensprache

Pressemitteilung

Bundeselternverband gehörloser Kinder e.V. und Verlag Karin Kestner 03.03.2008

In Deutschland gab es bisher noch kein Wörterbuch der Gebärdensprache, welches den gesamten Gebrauchswortschatz in Deutscher Gebärdensprache enthält. Einige Universitäten haben in kleinen Projekten Fachwortschatz wie z.B. Psychologie, Hauswirtschaft oder Pflegebereich erarbeitet und dokumentiert. Mit den 777 Gebärden 1-3 und Tommys Gebärdenwelt 1-3 sind Bereiche des Grundwortschatzes abgedeckt, doch ein Wörterbuch, das alle gebräuchlichen Gebärden inkl. vieler Idiome auf einer DVD vereint, gibt es bisher nicht. Im Auftrag und in Kooperation mit dem Bundeselternverband gehörloser Kinder e.V. wird nun ein solches Wörterbuch der DGS auf DVD vom Verlag Karin Kestner erstellt. Das Wörterbuch wird im März 2009 im Verlag Karin Kestner erscheinen.

Neben einem umfassenden Wortschatz der Deutschen Gebärdensprache sind DGS-spezifische Begriffe, Spezialgebärden, Orientierungsverben, produktive Gebärden, Komparation von Adjektiven und Richtungsverben enthalten. Insgesamt wird es ca. 16.000 - 17.000 Videos beinhalten. Dafür wird ein umfassender Gebrauchswortschatz der DGS mit ca. 16.000 - 17.000 Wörtern erhoben, dokumentiert und mit diesem Produkt jedermann zugänglich gemacht. Das Wörterbuch wird ein datenbankgestütztes Multimediasystem mit einem Video und Untertitel für jede einzelne Gebärde sein. Damit wird erstmals in Deutschland ein großer Schritt in Richtung Standardisierung und Dokumentation der Deutschen Gebärdensprache gegangen. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung für optimale Bildungschancen gehörloser Kinder, insbesondere beim Übergang von Schule in Beruf. Diese Arbeit wird allen Pädagogen/innen, Dozenten/innen, Dolmetschern/innen, Eltern und Beratern/innen, die mit Gehörlosen Kontakt haben zu Gute kommen und natürlich auch ein gefragtes Standardnachschlagewerk für alle gehörlosen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen selbst sein.

In Deutschland leben etwa 80.000 gehörlose Menschen, jedes Jahr werden etwa 1000 gehörlose Kinder geboren. Die Muttersprache der Gehörlosen ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Am 28.02.2002 hat der Bundestag das Bundesgleichstellungsgesetz (BGG) verabschiedet und die Deutsche Gebärdensprache in Deutschland als eigenständige Sprache anerkannt. Gehörlose haben somit das Recht im Kontakt mit Trägern der öffentlichen Gewalt in ihrer eigenen Sprache zu kommunizieren und Gebärdensprachdolmetscher/innen hinzuzuziehen.

Nur in wenigen Förderschulen mit Förderschwerpunkt 'Hören und Kommunikation' (früher Hörgeschädigten-Schulen) werden hörgeschädigte Kinder neben der Lautsprache auch in Deutscher Gebärdensprache unterrichtet. Bei vielen hörgeschädigten Kindern ist durch Lautsprache nur eine mangelhafte und unvollständige Kommunikation zu erreichen und damit nur mangelhafte Bildung möglich. Eine vollwertige Bildung ist nur über DGS möglich. Somit ist das frühe und umfassende Erlernen der DGS eine Grundvoraussetzung für einen vollwertigen Bildungszugang der Kinder. Damit ist die Gebärdensprache auch eine Grundvoraussetzung für die Chancengleichheit in Ausbildung und Berufsleben hörgeschädigter Jugendlicher und Erwachsener.

Die DGS ist eine natürlich entwickelte Sprache und hat bis heute keinen umfassend definierten und dokumentierten Wortschatz. Die DGS unterliegt in Deutschland vielen Dialekten und hat keine standardisierte „Hoch-Form“. Dementsprechend gibt es in Deutschland auch kein umfassendes Wörterbuch, welches den aktuellen Stand der DGS dokumentiert und zugänglich macht.

Alle bisher erschienenen Gebärdensammlungen und wissenschaftlichen Projekte bilden immer nur eine kleine Teilmenge an Gebärden ab, behandeln Fachthemen oder sind in Form und Inhalt veraltet. Diese Situation erschwert die Bildung und Ausbildung von gehörlosen Kindern und Jugendlichen, Pädagogen/innen und Gebärdenspracholmetschern/innen. Die Kommunikation Gehörloser untereinander, zwischen Gehörlosen und Gebärdensprachdolmetschern/innen und Gehörlosen mit Pädagogen/innen und Mitarbeitern/innen in Berufsbildungswerken und anderen Einrichtungen wird erheblich erschwert. Es gibt nur wenig und zudem unvollständiges Unterrichtsmaterial in DGS, kein umfassendes Wörterbuch. Jede Institution arbeitet mit anderem, dialektbehafteten und unvollständigem Material.

Dieses digitale Wörterbuch wird durch seinen Umfang, die multimediale Form und die Aktualität einen großen Fortschritt für Bildung, Ausbildung und Kommunikation von und mit den Gehörlosen Mitbürgern/innen in Deutschland bedeuten. Der Umfang des Wörterbuches wird gleichzeitig zu einer Vereinheitlichung der DGS beitragen, was hohe Synergieeffekte beim Lehren und Erlernen der Deutschen Gebärdensprache mit sich bringt.

Das Projekt wird finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Bundeselternverband gehörloser Kinder e.V. c/o Katja Belz, Präsidentin, Karl-Liebknecht-Straße 14, 15831 Mahlow fon: 0 33 79 / 37 76 30, fax: 0 33 79 / 37 76 30 mail: katja_belz@web.de, net: www.gehoerlosekinder.de

Verlag Karin Kestner Hufgarten 4 b 34302 Guxhagen Tel: 05665 31 67 Fax: 05665 35 56 Email: karin@kestner.de Internet: www.kestner.de

 

 

 
 
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