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Persönliches Budget, ab 01.01.2008 – Sie haben eine Recht darauf!

Was geht das Eltern von gehörlosen Kindern an?
Was geht das gehörlose Eltern von hörenden Kindern an?

Karin Kestner 03.11.2007

Anhand verschiedener Fallbeispiele erläutert Karin Kestner Möglichkeiten zur Nutzung des persönlichen Budgets.

1.Fall:

Sie sind unzufrieden mit Ihrer Frühförderstelle? Die Frühförderer kommen unregelmäßig oder zu selten. Die Frühförderstelle hat keine Mitarbeiter die Gebärdensprache beherrschen? Die Frühförderer wollen und können ihrem Kind nur Lautsprache, aber keine Gebärdensprache vermitteln?

Ab 01.01.08 keine Probleme mehr!

Der Frühförderbedarf für ihr Kind wurde festgestellt! Dies sind in der Regel 5 Einheiten/Monat! (ca. 500 Euro plus Kilometergeld) Es kann in problematischen Fällen auch mehr genehmigt werden.

Das Geld, welches die Frühförderstellen für die Frühförderleistung bekommen, können Sie als Eltern auch als Geldleistung beanspruchen und sich selbst die Frühförderin Ihrer Wahl aussuchen. Sie rechnen mit der Frühförderin Ihrer Wahl ab. Das kann eine gehörlose Erzieherin oder aber auch nur eine liebe nette gehörlose Nachbarin mit entsprechenden Fähigkeiten sein, das kann eine Gebärdensprachdolmetscherin sein oder eine Sozialpädagogin mit Gebärdensprachkenntnissen. Sie entscheiden selbst, wer ihr Kind fördert! Sie können das Budget für ein oder zwei Jahre und weiteren Jahren bis zum Ende des Anspruchs beantragen. Es sollte mindestens für 6 Monate ein Vertrag geschlossen werden. Sie können auch jederzeit die Verträge mit 3- monatiger Frist wieder kündigen und zurückkehren zur Leistung durch die staatlichen Frühförderstellen. Ihr Vertragspartner für das Budget ist das Sozialamt! Zielvereinbarung wird getroffen: Sie vereinbaren z.B. das Ziel für Ihr Kind, die Kommunikation zu fördern, um später eine Integration in Schule, Studium etc. zu erreichen.

2. Fall:

Sie möchten Ihr Kind in die Regelschule schicken. Der Bedarf für einen Dolmetscher ist festgestellt. (Eingliederung nach § 53 Abs. 1 SGB IIX) das Sozialamt möchte Ihnen einen bestimmten Dolmetscher zuteilen, weil er 2 Euro billiger ist, Ihr Kind will diesen aber nicht, weil es ihn nicht versteht oder auch aus anderen Gründen.

Sie beantragen ein Budget beim Sozialamt, welches auch noch etwas Luft nach oben haben muss, um unvorhergesehene Zwischenfälle wie Krankheit etc. abzufedern.

Sie beauftragen den Dolmetscher Ihrer Wahl und vereinbaren mit ihm die zu leistenden Stunden. So können Sie auch mit dem mobilen Dienst verfahren. Der Mobile Dienst erfüllt nicht Ihre Erwartungen? Sie möchten diese Leistung nicht mehr? Das Geld könnten Sie z.B. für mehr Dolmetscherstunden benutzen. Ihre Zielvereinbarung ist Wissenserwerb den Fähigkeiten entsprechend zu fördern.

3.Fall:

Sie haben einen Leistungsanspruch auf Logopädie für Ihr gehörloses oder schwerhöriges Kind. Zielvereinbarung ist es, besser zu kommunizieren! Sie möchten zusätzlich auch eine gebärdensprachliche Förderung oder „Tommys Gebärdenwelt“ zur Förderung einsetzen. Mit dem persönlichen Budget können Sie frei entscheiden, was zurzeit für Ihr Kind wichtig ist, mehr die Lautsprache oder mehr die Gebärdensprache zu fördern oder beides gleichzeitig! Sie können vom persönlichen Budget auch „Tommys Gebärdenwelt“ bezahlen. Die verhandeln einen Vertrag mit den Krankenkassen aus und organisieren sich die Förderung passend für Ihr Kind. Sie sind frei in Ihrer Entscheidung.

4. Fall:

Sie sind gehörlose Mutter mit hörendem Kind. Der Förderbedarf (Frühförderung) Richtung Lautsprachförderung ist festgestellt. Sie verstehen die Frühförderin nicht, weil sie keine Gebärdensprache kann, sie fühlen sich ausgegrenzt? Sie beantragen ein persönliches Budget beim Sozialamt für die Leistung „Frühförderung“, schließen den Vertrag und beauftragen eine Förderin Ihrer Wahl mit Gebärdensprachkenntnissen. Sie rechnen in den Fällen direkt mit den beauftragten Personen selbst ab.

 

Tipps für gehörlose Erwachsene:

5. Fall:

Was können gehörlose Arbeitnehmer mit dem Budget machen?

Gehörlose haben das Recht auf Dolmetscher am Arbeitsplatz! Das Integrationsamt ist der Kostenträger. Er schickt Ihnen ständig Dolmetscher vom IFD, die Sie nicht wollen oder Dolmetscher, die Sie nicht verstehen. Schließen Sie einen Vertrag mit persönlichem Budget und bestellen Sie sich den Dolmetscher Ihrer Wahl, zu Veranstaltungen Ihrer Wahl. Zielvereinbarung ist hier: die Teilhabe am Arbeitsleben.

6.Fall:

Gehörlose in verschiedenen Bundesländern haben zurzeit nicht immer die freie Wahl der Dolmetscher im medizinischen Bereich. Sie können nur Dolmetscher von einer bestimmten Liste beauftragen, wer dort nicht eingetragen ist, wird nicht bezahlt von den Krankenkassen. Sie können mit dem Leistungsträger Krankenkasse ein persönliches Budget für Dolmetscherleistungen im medizinischen Bereich abschließen. Die Leistungen können auch aufgestockt werden, wenn es nötig ist!

 

http://www.sozialgesetzbuch.de/gesetze/09/index.php?norm_ID=0901700

Dieses Gesetz ist recht neu, viele Sachbearbeiter sind noch nicht über das Gesetze informiert, es kann also zu Unverständnis kommen. Deshalb rate ich, sich Hilfe zu holen bei verschiedenen Selbsthilfeorganisationen, die sich schon auskennen, mit Verträgen, Zielvereinbarungen und Abläufen.

Beratung zum persönlichen Budget, Verträgen und Zielvereinbarungen erteilt:

Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter Fab e.V.
Info@fab.-kassel.de
Fax: 0561 7 288 529

Oder www.forsea.de

noch einige Links zum Thema:

www.budget.bmas.de
www.projekt-persoenliches-budget.de
www.budget.paritaet.org
www.bar-frankfurt.de
Www.reha-servicestellen.de
www.isl-ev.de
Schwerpunkte - Forum Persönliches Budget

 

Handbuch zum persönlichen Budget zu bestellen bei www.forsea.de

 

 

 
 
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