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Was gibt es Neues von der 78. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. 2007, München

Karin Kestner 11.07.2007

Dieses Jahr gab es eine Reihe von Abstracts zu lesen, die man im Zusammenhang betrachtet als höchst interessant beurteilen kann.

Schauen wir uns den folgenden Artikel an:

Mit der Einführung des Neugeborenen-Hörscreenings ist es möglich, Hörstörungen bei Säuglingen früh zu identifizieren und diagnostisch abzuklären. Bei gesicherter Diagnose kann den betroffenen Kindern, früh, idealerweise in den ersten Lebensmonaten, die Chance einer natürlichen, auf Hören gestützten Hör-Sprachentwicklung eröffnet werden. Der chirurgische Eingriff selbst unterscheidet sich dabei von dem bei Erwachsenen erheblich. Die geringe Größe des Warzenfortsatzes, der enge Recessus facialis und die gegenüber Erwachsenen veränderten Proportionen zwischen N. facialis und Cochlea bedürfen der besonderen Aufmerksamkeit. Entscheidend zur Planung des Zeitpunktes des Eingriffes ist der individuelle Entwicklungsstand des Kindes. Liegen keine Entwicklungsdefizite vor, kann der Eingriff ab dem ca. 4.-6. Lebensmonat durchgeführt werden. Quelle

Wenn wir aber nun auf den nächsten Abstract schauen, werden wir doch unsicher oder? Es geht um die Untersuchungsmethoden wie BERA, NN-Bera und etc…

Einleitung: Für die Diagnostik kindlicher Hörstörungen sind Messungen frequenzspezifischer akustisch evozierte Potentiale das wichtigste Werkzeug. Sie bilden die Basis für die Anpassung von Hörgeräten und für eine Indikation zur Cochlea-Implantat-Versorgung. Zudem werden sie in der Verlaufskontrolle kindlicher Hörstörungen eingesetzt. Alle derzeit hauptsächlich einsetzten Verfahren – Notched Noise - BERA, AMFR und Tone pip - BERA weisen jedoch mehr oder weniger erwartete Einschränkungen auf. Quelle

Mich erstaunt es nicht, dass die Ergebnisse der Verfahren, wie oben hübsch genannt „Einschränkungen“ aufweisen.
28 Kinderohren wurden untersucht.

Ergebnisse: Hochsignifikante Korrelationen ergaben sich zwischen den Reizantwort-Schwellen der Click-BERA und den über die die Frequenzen 0,5-1-2-4 kHz gemittelten Tone pip- und AMFR-Schwellen sowie zwischen den korrespondierenden Frequenzen der Tone pip - BERA und der AMFR. Dennoch wurden in 9 der 28 Ohren nicht kalkulierbare Abweichungen von 25-40 dB der für die AMFR abgeleiteten Tonschwellen von den Click-Reizantwortschwellen beobachtet, in weiteren 10 Ohren Abweichungen von 15 bis 20 dB. Für Tone pip und Notched Noise – BERA wurden kalkulierbar zu hohe Schwellen vorwiegend im 0,5 kHz-Bereich gesehen. Schlussfolgerungen: Tone pip- und Notched-Noise-BERA weichen kalkulierbar von den durch Click-BERA ermittelten Reizantwortschwellen insbesondere im 0,5 kHz-Bereich ab. AMFR-Verfahren bedürfen einer Optimierung für einen Einsatz in der Pädaudiologie.

Die Verfahren haben eine hohe Fehlerquote und Abweichungen, die für ein Kind weitreichende Folgen haben kann. Einmal als taub diagnostiziert, vielleicht gar zweimal, bekommt man in Deutschland schneller ein CI als ein Rezept für Hörgeräte. Abweichungen von bis zu 40 dB sind schon entscheidend dafür, ob man mit Hörgeräten Lautsprache versteht oder nicht. Deswegen plädiere ich immer heftig für den Einsatz von Hörgeräten möglichst ein paar Jahre, auch bei taub diagnostizierten Kindern, besonders, wenn sie noch sehr jung sind und sich das Hören noch verbessern / entwickeln kann. Eltern müssen wissen, dass die Untersuchungen nicht eindeutig sind und die Fehlerquote hoch ist! Wie kann ein verantwortungsbewusster Arzt auf frühe Implantation (s.o.) drängen, wenn er weiß, dass die Untersuchungsmethoden alles andere als sicher sind? Frühe Implantation ist schon aus diesem Grunde abzulehnen!

Der nächste interessante Abstract befasst sich mit der Sozialisation von Kindern nach der Implantation.

Es ist festzustellen, das abhängig vom Lebensalter die Schwierigkeiten ansteigen, eine Regelbeschulung weiter zu realisieren. Eine Implantation im frühen Lebensalter scheint Vorteile zu bieten kann aber alleine, ohne zusätzliche Unterstützung und Förderung dieses Ziel auch nicht erreichen. Die Integration in den meist hörenden Freundeskreis und die Akzeptanz der Kommunikationsstörung ist komplexer als dies die reinen Sprachtestergebnisse vermuten lassen. Quelle

Auf den Punkt gebracht! Genau dies sage ich seit Jahren Frau Prof. Schiedat-Lesinski!

Eltern wird mit erfundenen Zahlen suggeriert, dass ihre Kinder auf die Regelschule gehen können, wenn sie möglichst früh (s.o.) implantiert werden. Später stellen Eltern fest : „Oh es klappt doch nicht.“ Die leidtragenden sind die Kinder. Die CI-Industrie hat ihren Teil schon verdient, und wenn möglich (wenn die Krankenkasse zahlt) schon beide Ohren versorgt.

Den Kindern wurde erfolgreich die Gebärdensprache vorenthalten, sie wurden in die Regelschule geschickt und man wartet ab bis sie scheitern. Ein kleiner Artikel trägt schließlich dazu bei, dass die Herren in weiß dann doch noch die Wahrheit, natürlich ein wenig versteckt und nicht in großem Rahmen, der interessierten Öffentlichkeit kundtun. Eltern wird später gesagt: „Das haben wir doch schon vor Jahren veröffentlicht und Sie hätten das doch im Internet lesen können, wenn Sie sich richtig informiert hätten!“

Karin Kestner

 

 
 
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