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Benutzt das Kind mit CI Gebärdensprache, hört es nur noch Geräusche!

Traurig, mit welchen Mitteln Cochlear Europe arbeiten muss!

Tiemo Hollmann 23.03.2006

Monika Lehnhardt, ehemalige Geschäftsführerin von Cochlear Europe in Basel und jetziger Vorstand der Ernst Lehnhardt-Stiftung Hannover hat in einer durch die EU geförderten Schriftenreihe (Socrates QESWHIC Project 2003) für die Lehrer- und Therapeuten-Fortbildung folgende Aussage gemacht:

"Kinder, die nach der CI Versorgung weiter eine Schule besuchen, in der die Gebärdensprache als Kommunikationsmittel verwendet wird, werden nicht wirklich vom CI profitieren, mit Ausnahme der Wahrnehmung von Umweltgeräuschen." vgl. Qualifikation von pädagogischen Fachkräften, Seite 40

Auf unsere Anfrage an Frau Lehnhardt, uns eine Quelle für diese Aussage zu nennen, bekamen wir von Cochlear Europe eine Liste mit 33 Quellen diverser CI-Studien. Keine einzige dieser Studien kommt auch nur ansatzweise zu obiger Aussage.

Hirnforscher haben aber anhand von Studien mit Patienten mit Hirnläsionen nachgewiesen, dass in Bezug auf die  Sprachfähigkeiten und der beteiligten Hirnareale die Unterschiede zwischen gesprochener Sprache und Gebärdensprache allenfalls gering, wenn überhaupt vorhanden sind. Sprache ist Sprache, ob gesprochen oder gebärdet. Gebärdensprache behindert nicht, sondern fördert die Lautsprache Vgl. Gregory Hickok, Ursula Bellugi und Edward S. Klima "Sign language in the brain" 2001 Scientific American Inc. oder in der deutschen Übersetzung "Sprechende Hände" in Spektrum der Wissenschaft, Oktober 2001, Seite 46-53 von Olaf Fritsche. Wer würde ernsthaft behaupten, dass ein zweisprachig aufwachsendes Kind im Elsass seine französische Sprache verliert, wenn es zusätzlich Deutsch lernt? Das Gegenteil ist der Fall, eine erhöhte Sprachkompetenz.

Hat es die CI-Industrie und Lobby wirklich so nötig mit derartigen Veröffentlichungen Eltern Angst zu machen und immer wieder das Schreckgespenst Gebärdensprache an die Wand zu malen? Wie viel Leid schon bei Kindern durch solcherlei Aussagen verursacht wurde, die auch nach einer Cochlea-Implantation nicht oder nur rudimentär in die Lautsprache gekommen sind und dann vollkommen ohne Kommunikation da stehen, wollen weder die Industrie, noch die Mediziner sehen. Die Problematik wird schlicht weg totgeschwiegen.

Gebärdensprache von Beginn an einzusetzen, bedeutet eine vollständige Kommunikation zwischen Eltern und Kind zu haben. Dies können alle Eltern einsetzen, völlig unabhängig davon, ob das Kind später zusätzlich lautsprachlich mit oder ohne CI erzogen wird. Bei den Kindern, die später tatsächlich gut in die Lautsprache kommen, hat die Gebärdensprache sogar noch ihre Kommunikationsfähigkeit gefördert und die anderen Kinder haben  eine vollständige Kommunikation fürs Leben, was nach 10 Jahren ergebnislosen Oralismus-Training mit CI nicht mehr möglich ist.

Warum werden solche unhaltbaren Aussagen veröffentlicht? "Open-Source-Gebärdensprache" als wirtschaftlicher Konkurrent der Medizintechnik oder einfach nur eine lästige Alternative in der Eltern- und Pädagogen-Beratung, die zu anderen Schlüssen führen könnte? Und dafür gibt es auch noch Fördergelder der EU!

Siehe auch: bilingual erzogene Kinder erzielen die besseren Ergebnisse.

 

 
 
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