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Rekordbesuch bei der Jahrestagung des Bundeselternverbandes gehörloser Kinder e.V.

Bericht von der Jahrestagung vom 25.-28.05 2006

Karin Kestner 29.05.2006, Seite 1/5

Elterntagung

Eltern und Kinder

Carola Vogel mit Erika Schuchardt und Karin Kestner

Karin Kestner, Carla Vogel, Prof. Dr. Erika Schuchardt

Simon Kollien

Simon Kollien

Elterntagung

Vater

Elterntagung

Mutter

Elterntagung

Mutter

Elterntagung

Vater

Die Jahrestagung des Bundeselternverbandes gehörloser Kinder konnte in diesem Jahr im Ferienparadies Pferdeberg in Duderstadt einen neuen Rekord aufweisen. Über 150 gehörlose und hörende Teilnehmer (ungefähr je zur Hälfte hörend und gehörlos) besuchten die, so die Meinung einiger Eltern, beste Jahrestagung seit Jahren. 45 gehörlose und schwerhörige Kinder und Geschwister zeigen die ständig wachsende Bedeutung des Elternverbandes.

Die Tagung stand unter dem Motto „Starke Eltern für selbstbewusste Kinder“. Mein Eindruck, die Kinder sind schon selbstbewusst, nun müssen noch die Eltern stark werden. ;-)

Da hinein passte dann auch der fulminante Auftakt-Vortrag von Frau Prof. Dr. Erika Schuchardt. „Warum gerade ich? Leben lernen mit Beeinträchtigung des Hörens“ Krisen als Chance sehen, Krise ein verborgener Reichtum, Krisen erkennen, Krisen verarbeiten, sehen wo Eltern stehen in der Spirale des Krisenmodells nach Schuchardt. Eltern meldeten sich zu Wort – „Ja ich bin noch aggressiv“, „Ich habe noch nicht verarbeitet, dass mein Kind gehörlos ist“, erkennen, dass es nicht Sinn sein kann, sein Kind mit CI versorgen lassen zu müssen, um es an das bestehende, völlig unbefriedigende, oralistische Schulsystem in Deutschland anpassen zu müssen, sondern den gehörlosen Kindern den Unterricht zu geben, der ihnen von Rechts wegen zusteht, - Unterricht von gehörlosen Pädagogen in Gebärdensprache, als Vorbilder in Sprache und Kultur, für gleiche Bildungschancen. Es wurde das Buch „Und jetzt…? Unser Kind ist gehörlos!“ von Carla Vogel vorgestellt, das im Verlag Karin Kestner erschien. Das Buch stellt das Krisenmodell nach Schuchardt an Hand von Interviews mit Eltern gehörloser Kinder vor. Gehörlose und hörende Eltern diskutierten im Anschluss an den Vortrag das Thema sehr intensiv. Es zeigte sich, dass hörende Eltern, die die Diagnose „gehörloses Kind“ bekommen in tiefe Trauer geraten, oft unter einem Schock stehen, den die gehörlosen Eltern so nicht erleben, weil ein gehörloses Kind genauso selbstverständlich für sie ist wie ein hörendes Kind: „Hauptsache nicht lebensbedrohlich krank!“

Simon Kollien (gl, Dipl. Psychologe) setzte sich mit der Frage: „Können Eltern von Erfahrungen gehörloser Eltern profitieren?“ auseinander. Er fand eine Antwort darauf in der Aussage, dass hörende Eltern natürlich von gehörlosen Eltern lernen können und genauso könnten die gehörlosen Eltern von den Hörenden profitieren. Nehmen gehörlose Eltern doch selbstverständlicher in ihrer Familie die Gebärdensprache als Basis, können von Gehörlosenkultur und eigenem Verhaltensritualen berichten und können den gehörlosen Kindern Vorbilder sein. Hörende Eltern hingegen können aus dem Leben der hörenden Welt berichten und so kann sich ein reicher Austausch entwickeln, z.B. über gleiche Probleme bei Erziehungsfragen oder Problemen bei Behörden und Schulen. In der anschließenden Diskussion stellte sich heraus, dass alle Eltern ähnliche Probleme haben, sie sorgen sich um die Zukunft der Kinder in Schule und Beruf. Alle wünschen sich - gleiche Bildungschancen, vor allem durch Gebärdensprache im Unterricht.

 

Durch sämtliche Bundesländer zieht sich wie ein roter Faden die schlechte Bildung gehörloser Kinder. Ergreifende Schilderungen der Eltern in der anschließenden Diskussion und Pause belegen, dass gehörlose Kinder noch immer nicht die gleichen Bildungschancen haben wie hörende Kinder. Es wurde der Wunsch nach einer zentralen Gehörlosenschule Deutschland geäußert, um die vorhanden Ressourcen von gehörlosen und gebärdensprachkompetenten Lehren ausnutzen und bündeln zu können. In einigen Schulen in Deutschland stehen zwar gehörlose Pädagogen zur Verfügung, doch deren Kenntnisse und Fähigkeiten verpuffen in dem ansonsten lautsprachgerichteten Schulsystem wie ein Tropfen auf einem heißen Stein. Es wurde sogar berichtet, dass an einer Schule zwar gehörlose Lehrer angestellt seien, ihnen jedoch die Benutzung der Gebärdensprache im Unterricht verboten wurde.

 

Der Deutsche Gehörlosen-Bund, der während der Tagung durch seinen Geschäftsführer Thomas Worseck vertreten war, sagte mir gegenüber: „Wir diskutieren im Präsidium des Deutschen Gehörlosen Bundes eine Lösung in Form einer „bundesweiten zentralen Gehörlosenschule Deutschland“. Eine solche Forderung wurde auch auf der Berliner Tagung „Bilinguale Erziehung und Bildung in Deutschland“ von der Direktorin der Realschule München, Frau Weber aufgestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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