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Tag der Gehörlosen

Pressemitteilung vom Deutschen Gehörlosenbund 23.09.2004

Deutscher Gehörlosen-Bund e.V. (DGB) Pressemitteilung zum Tag der Gehörlosen 2004

Der Welttag der Gehörlosen - ursprünglich jeweils am letzten Samstag im September - wurde Mitte der 70er Jahre erstmals auch in Deutschland begangen. Seit dem wird hier im September und Oktober jeden Jahres von regionalen Gehörlosenvereinen und -verbänden der Tag der Gehörlosen veranstaltet. Traditionell dient er den Gehörlosen als Möglichkeit, die hörende Öffentlichkeit über die "unsichtbare Behinderung" zu informieren. Zwar haben die meisten Menschen schon mal irgendwo Gehörlose gesehen, die sich in Gebärdensprache unterhalten, es herrscht aber vielfach noch Unkenntnis darüber, dass:

  • in Deutschland ca. 80.000 Menschen leben, die gehörlos geboren wurden oder ihr Gehör noch vor dem Spracherwerb verloren haben.
  • Gehörlose durch ein gezieltes Training zwar sprechen lernen können, ihre Aussprache für Außenstehender jedoch in der Regel schwer verständlich bleibt (wg. der fehlenden akustischen Eigenkontrolle).
  • für die meisten Gehörlosen der Umgang mit Schriftsprache zeitlebens problematisch bleibt, weil sie das Deutsche in Wortschatz und Grammatik nur eingeschränkt beherrschen.
  • mit der Gebärdensprache ein vollwertiges Kommunikationsmittel zur Verfügung steht, mit dem gehörlose Kinder altersgemäß gefördert werden können, die meisten Gehörlosenschulen in Deutschland die Gebärdensprache aber gar nicht verwenden.
  • Gehörlose studieren und anspruchsvolle Berufe ergreifen können, wenn ihnen geeignete Hilfen wie Gebärdensprachdolmetscher und Möglichkeiten zur Telekommunikation zur Verfügung gestellt werden.
  • die Deutsche Gebärdensprache zwar seit 2002 gesetzlich anerkannt ist (Behindertengleichstellungsgesetz), es aber immer noch viel zu wenig GebärdensprachdolmetscherInnen gibt und die Kostenübernahme nach wie vor in vielen Bereichen nicht geregelt ist.
  • inzwischen immer mehr Hörende die Gebärdensprache erlernen (von gehörlosen GebärdensprachdozentInnen, die an Volkshochschulen, Gehörlosenzentren, Hochschulen und privaten Sprachschulen unterrichten).
  • Gehörlose zum Ausgleich des fehlenden Gehörs auf technische Hilfen wie Lichtwecker, Lichtklingel, Schreib- oder Bildtelefon angewiesen sind, die aber nicht alle automatisch von den Krankenkassen bezahlt werden.
  • nur ca. 5 % aller Fernsehsendungen Untertitel für Gehörlose haben und noch viel seltener Gebärdensprache im Fernsehen zu sehen ist.
  • Gehörlose Auto, Motorrad und LKW fahren und bei Panne oder Unfall auch per Fax bzw. SMS Hilfe rufen können.
  • es in öffentlichen Gebäuden und im öffentlichen Personenverkehr solange keine Barrierefreiheit für Gehörlose gibt, wie nicht alle akustischen Signale und Lautsprecherdurchsagen auch optisch angezeigt werden (z.B. bei Gegensprechanlagen und Türsummern, in Aufzügen, bei Feueralarm und bei Gleisänderungen am Bahnhof)
  • Gehörlose eine eigene Gehörlosenkultur (mit speziellen Veranstaltungen, Theater, Poesie, bildender Kunst, Sport usw.) entwickelt haben, deren Basis die Gebärdensprache und die visuelle Wahrnehmung der Welt ist.
  • die meisten Gehörlosen sich mit der Gebärdensprachgemeinschaft identifizieren und das Hören als solches gar nicht vermissen.
  • die operative Einpflanzung einer Innenohrprothese (Cochlea-Implantat) bei gehörlosen Kleinkindern von gehörlosen Erwachsenen mehrheitlich abgelehnt wird, weil sie Gehörlosigkeit nicht als "behandlungsbedürftige Behinderung" sondern als Besonderheit sehen, auf die man sich mittels Gebärdensprache und einiger technischen Hilfen problemlos einstellen kann.
  • auch Kinder mit einem Cochlea-Implantat nicht automatisch eine gelungene Hör- und Sprachentwicklung durchlaufen und sie selbst im Erfolgsfall zeitlebens "taub" bleiben (sobald sie das Gerät zum Schlafen, Schwimmen oder zum Sport abnehmen; wenn die Batterie leer ist; bei Defekt des Sprachprozessors, eines Kabels oder gar des Implantats).
  • wir alle irgendwie ein bisschen "anders" sind und jeder in seinem Alltag und Berufsleben dazu beitragen kann, dass die Bedürfnisse Gehörloser ernst genommen und Barrieren abgebaut werden.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund ist die sozialpolitische, kulturelle und berufliche Interessenvertretung der Gehörlosen und anderen gebärdensprachlich orientierten Hörgeschädigten in Deutschland. Oberstes Ziel des Verbandes ist es, die Lebensbedingungen und Teilhabemöglichkeiten Gehörloser zu verbessern. Es wird intensiv auf die verstärkte Verbreitung und Anwendung der Gebärdensprache (z.B. an Gehörlosenschulen, in der Arbeitswelt, im Fernsehen, im Internet oder in Telefonvermittlungszentralen) hin gearbeitet. Außerdem gibt es gemeinsam mit anderen Behindertenverbänden sowie staatlichen und privaten Dienstleistern Bestrebungen zu einer schrittweisen Herstellung von Barrierefreiheit im Alltag.

Dass es zum Tag der Gehörlosen keine zentrale sondern viele kleinere regionale Veranstaltungen gibt, begründet Präsidentin Gerlinde Gerkens damit, dass an diesem Tag Möglichkeiten zur Begegnung von Gehörlosen und Hörenden vor Ort geschaffen werden sollen. Als Vorsitzende des Gehörlosen-Verbands Schleswig-Holstein e.V. hat sie unter dem Motto "Kultur ohne Worte" für den 16. Oktober ins Einkaufszentrum Sophienhof nach Kiel eingeladen. Dort wird es ein buntes Programm aus Kultur und Informationen für Hörende und Gehörlose geben. Da um diese Zeit auch die Mitgliederversammlung des Deutschen Gehörlosen-Bundes in Kiel tagt, werden auch die Delegierten der im DGB zusammengeschlossenen Verbände an dieser Veranstaltung zum Tag der Gehörlosen teilnehmen.

Weitere Informationen: Deutscher Gehörlosen-Bund e.V. Hasseer Str. 47 24113 Kiel Tel.: 0431/6434468 Fax: 0431/6434493 info@gehoerlosen-bund.de

www.gehoerlosen-bund.de

 

 
 
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