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Staatliche Schule für Gehörlose und Schwerhörige in Stegen diskriminiert ihre gehörlosen Schülerinnen

"Untertitel lenken ab und Dolmetscher sowieso" von Karin Kestner 12.07.2004

"Unglaublich! Frechheit! Mein Sohn wird ausgeschlossen, bewusst diskriminiert, weil er nicht hören kann. Und das auf einer Schule für Gehörlose und Schwerhörige." - Worte einer Mutter.

Das Sommerfest der Staatlichen Schule für Gehörlose und Schwerhörige in Stegen ist immer der krönende Abschluss eines Schuljahres. Dieses Jahr wurde von Schülern das Theaterstück : "Der zerbrochene Krug" einstudiert. Alle SchülerInnen freuten sich auf die Theateraufführung. Alle!

Herr Direktor Jacobs persönlich sprach die Willkommensgrüße an alle Interessierten, wie er es nannte. Geeignete Schüler hätten ein Theaterstück einstudiert, auch Hörgeschädigte könnten Schauspieler sein. Seine Rede natürlich ohne Dolmetscher!

Nach wenigen Minuten wurde den anwesenden gehörlosen und stark schwerhörigen Kindern und Erwachsenen klar, dass sie als Zuschauer nicht erwünscht waren. Das Stück wurde mehr oder weniger verständlich von SchülerInnen in Lautsprache vorgetragen, kein Dolmetscher war für die anwesenden Gehörlosen, weder für die Schüler, noch für gehörlose Gäste, noch für gehörlose Eltern, bestellt worden. Was sollte hier durch ein lautsprachlich vorgetragenes Theaterstück bewiesen werden? Dass schwerhörige Kinder sprechen lernen können? Hier werden die Kinder wissentlich für die Zwecke einiger oralistischer Pädagogen missbraucht.

Im Vorfeld wurden den SchülerInnen auf Nachfrage ein Dolmetscher oder Untertitel für die Aufführung mit der Begründung verweigert: "Untertitel lenken ab und Dolmetscher sowieso". Die Aula war weder mit einer Höranlage noch die Schauspieler mit Mikrofonen ausgestattet.

Nach einigen Minuten verließen die ersten gehörlosen Schüler, nach und nach auch gehörlose Erwachsene und schwerhörige Schüler, die Aula. Nach 20 Minuten wollte auch ich gehen, es war einfach nur peinlich, was sich dort abspielte, doch mir und einigen verbliebenen Schülern wurde der Ausgang von einem Lehrer versperrt, mit der Begründung, (lautsprachlich) es würde stören, wenn wir gehen. Nachdem ich mich dann doch lauter beschwerte, wurde der Durchgang freigegeben.

Draußen vor der Tür fing ich einige Meinungen von Gehörlosen und Schwerhörigen ein:

  • "Hier werde ich diskriminiert!"
  • "Ich bin tief verletzt!"
  • "Ich habe nichts verstanden, es war zu leise ohne FM-Anlage."
  • "Ich wurde diskriminiert und das auf einer Schule für Gehörlose und Schwerhörige!"
  • "Ich bin zutiefst betroffen!"
  • "..und das im Jahr 2004, ich fühle mich missachtet."
  • "Eine Farce, was sollte das? Die armen Kinder."
  • Eine Schwerhörige: "Die Bewegungen waren toll, nur den Inhalt habe ich natürlich nicht verstanden..."

Das Plakat mit der Einladung zum Sommerfest spricht dann auch Bände. In der Stegener Schule wird nur auf eins Wert gelegt, auf Hören und Sprechen! (Im Hintergrund des Plakates steht: klappern, flöten, summen, trällern, surren etc). Soll das eine Einladung zu einem Sommerfest für Menschen sein, die nicht oder nur wenig hören können? Mit welchem Zynismus muss eine Schulleitung noch ans Werk gehen, um endlich aus ihrer Verantwortung entlassen zu werden? Wie kann da eine Kultusministerin zuschauen, ohne einzugreifen? Hier wird bewusst diskriminiert und den gehörlosen Kindern in Stegen immer noch die Gebärdensprache verweigert - und das nicht nur beim Sommerfest, sondern täglich auch im Unterricht!

Und das in aller Öffentlichkeit, in einer Bildungseinrichtung, die sich folgendes in ihre Statuten geschrieben hat: "Alle Schülerinnen und Schüler sollen in gleichem Maße wahrgenommen, gefördert und bewertet werden." Hier die gesamten Leitziele. Wenn diese Pädagogen nicht ertragen können, dass es Menschen gibt, die gehörlos sind, sich eben von hörenden Schülern unterscheiden in ihren Bedürfnissen, warum unterrichten sie dann nicht in Schulen, in denen sie das nicht ständig vor Augen haben?

Für die Stegener Schule zeichnet verantwortlich Hartmut Jacobs, wir erinnern uns an seine menschenverachtenden Äußerungen vom 16.07.2001.Wie lange darf er noch bleiben? Wie lange müssen gehörlose Kinder und Jugendliche solche Pädagogen ertragen und von klein auf von diesen Menschen das Gefühl der Minderwertigkeit vermittelt bekommen und bewusst ignoriert und missachtet werden? Wie lange wird diesen Kindern noch Bildung vorenthalten, die sie eben nur über Gebärdensprache erreichen können? Wann wird in Stegen endlich das Gleichstellungsgesetz in die Tat umgesetzt? Wann reagiert das Kultusministerium und das Schulamt auf solch diskriminierendes und menschenverachtendes Verhalten?

Ich wiederhole und bekräftige meine Aussagen von damals und sage: "In meinen Augen ist Herr Direktor Hartmut Jacobs untragbar für eine Einrichtung wie die Schule für Gehörlose und Schwerhörige in Stegen!"

Alle SchülerInnen und Schüler von Hörgeschädigtenschulen fordere ich auf, solche Diskriminierungen an die zuständigen Kultusbehörden zu melden! Die Behörden und die Öffentlichkeit muss davon Kenntnis bekommen, um etwas unternehmen zu können!

Hier noch einige Fotos mit Kommentaren.

eine Kopie dieses Berichtes geht an:

Kultusministerin Annette Schavan

Sekretariat der Kultusministerkonferenz

Behindertenbeauftragter Herr K.-H.Haack

an die örtliche Presse

an den Deutschen Gehörlosenbund

an den Taubenschlag

an das Oberschulamt Freiburg Herrn Haselmann

und an Herr Direktor Hartmut Jacobs

Dieser Bericht wird im Internet auf verschiedenen Seiten öffentlich zugänglich gemacht.

Karin Kestner

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