Ich dachte tatsächlich es ist ein Interview aus den Anfängen der Glück-auf Schule, also vor 50 Jahren, und erwartete die Auflösung am Ende des Artikels. Aber sie kam nicht.
Vor 50 Jahren wurden doch die Gebärden tunlichst vermieden. Vor 50 Jahren hatte man geglaubt gehörlose Kinder können nur schlecht Deutsch, dafür besser Mathe lernen. Heute weiß man doch, dass gehörlose Kinder alles lernen können! Vor 50 Jahren sagte man "taubstumm", doch jetzt sagt man doch gehörlos, nicht stumm?!
Ich fange noch mal von vorne an mit dem Lesen des Artikels und kann es eigentlich immer noch nicht glauben.
Ein Glück für die Schüler, wenn sie in der Schule sprechen lernen? Ich dachte wirklich die Zeiten sind vorbei? Ich dachte die Kinder lernen wie alle Kinder Weltwissen. Hörfehler bekämpfen? Das liest sich, als ob es eine todbringende Krankheit sei, die bekämpft werden müsste? Knochenarbeit? Lieber Gott, als Mutter eines gehörlosen Kindes wüsste ich nicht, was ich von so einem Satz zu halten hätte. Da müssen Lehrer Knochenarbeit leisten damit die Kinder sprechen lernen - in einer Schule? Knochenarbeit für wen? Ich dachte, die Kinder bekommen normalen Unterricht mit allen Hilfen, die es heute gibt! Eben auch mit Gebärdensprache, sie ist doch als vollwertige Sprache anerkannt und ist die Sprache die Gehörlose brauchen! Gibt es in der Schule nicht mal so einfache Hilfsmittel wie eine Lichtklingel, damit es sich nicht erst "rum sprechen" muss, dass Pause ist? Ich bin entsetzt, dass in der heutigen Zeit eine solche Schule existiert, die mit den gleichen Methoden arbeitet wie vor 50 Jahren, mit einer Methode, die verächtlich im Ausland als "German Method" belächelt wird.
Nun und dann wundert es auch nicht, wenn ich zum Schluss den Programmpunkt für das Schulfest lese: Musikprogramm! Klar, damit können dann alle gehörlosen Schüler der Schule und auch die Ehemaligen etwas anfangen… Herr Gößling sagt: "Ich kann nicht klagen!" Vielleicht sollte er und auch Sie, Herr Schmeer, einmal die Schüler befragen.
Mit freundlichen Grüßen Karin Kestner