Das Geschäft mit der Angst.
Noch vor ein paar Tagen kam die Meldung, dass Prof. Laszig aus Freiburg das weltweit jüngste Kind (5 Monate) mit Cochlear Implantaten (CI) versorgte. Heute die Meldung Dr. Müller, Würzburg, hat ein 4 Monate altes Kind mit einem CI versorgt. Die Jagd beginnt: Wer operiert die jüngsten Kinder? Da wird Eltern immer noch und immer wieder gesagt: Ohne Hörvermögen geht ihnen (den Kindern) die Ankopplung an die Umwelt verloren, besteht die Gefahr emotionaler Verarmung. Das Geschäft mit der Angst floriert.
In Würzburg werden 100 Kinder, in Hannover über 200 im Jahr operiert. Den Kindern wird noch nicht mal der Hauch einer Chance gelassen, sich natürlich zu entwickeln. Eltern werden nach wie vor unter Druck gesetzt, die Möglichkeiten mit Hörgeräten und Gebärdensprache, ohne risikoreiche Operation, wird nicht mal erwähnt. Daran kann man nichts verdienen.
Vielen Eltern wurde das CI vorgeschlagen, nicht alle Eltern entscheiden sich dafür. Das CI birgt Risiken, lebenslang Patient sein, mit weiteren OPs - Reimplantationen, technischen Defekten, wie Kabelbruch, (Garantie auf das CI - 10 Jahre lt. Hersteller) medizinische Risiken wie Hirnhautentzündung (3 Kinder sind in Deutschland an den Folgen gestorben) und Gesichtsnervlähmung und einiges mehr, davon wird nur nebenbei gesprochen, wenn überhaupt. Aufklärung kurz vor der OP: "Bitte hier unterschreiben."
Ich kann jedem versichern, auch Menschen, die nicht hören, können studieren und alle Berufe lernen, die ihren Fähigkeiten entsprechen, sind emotional stabil und vereinsamen nicht. Nicht das Hören ist wichtig, sondern die richtige Förderung der Kinder, nämlich in Gebärdensprache, unterstützt, aber nicht zwingend, durch Technik. Denn nicht jede Mutter eines gehörlosen Kindes, möchte ihrem Kind die risikoreiche Operation eines Cochlear Implantates zumuten und das Leben des Kindes somit in Gefahr bringen, nur um es der Gesellschaft anzupassen. Es ist bezeichnend für die Gesellschaft, dass an erster Stelle die "Reparatur" eines Kindes steht, und nicht die Förderung durch das natürlichste der Welt für Gehörlose, die Gebärdensprache. Dies wird wieder einmal in diesem Artikel deutlich.
Karin Kestner