Sie ärgern sich darüber, dass Sie ihr Baby nicht verstehen können? Sie möchten wissen, ob es Hunger hat oder Bauchweh? Sie wissen nicht, ob der Po wund oder die Nase verstopft ist? Ihr Baby schreit und Sie sind hilflos, weil Ihr Baby Ihnen noch nichts sagen kann?
In den USA und in vielen skandinavischen Ländern, auch in England, wird den Eltern geholfen - mit Baby Signing oder einfacher gesagt, mit Gebärdensprache für hörende Babys. Viele Eltern bestätigen es und sind froh den Weg mit Gebärden versucht zu haben. Mit z.T. 7 Monaten konnten die Baby schon deutlich machen, dass sie ihr Fläschchen wollten, Schmerzen, Durst oder Hunger hatten oder spielen wollten. Viel entspannter verlief die Kommunikation in den Familien. Mütter liefen nicht mehr schweißgebadet mit dem schreienden Baby auf dem Arm durch die Wohnung, ohne zu wissen was dem Kleinen fehlt.
Lesen Sie hier den Bericht von Katja, die in England Babysigning praktiziert und inzwischen unterrichtet.
Was ist also Babysigning?
Die Feinmotorik der Händen unserer Babys ist viel eher entwickelt als die Stimmbänder. Mit 6 Monaten besitzen Babys in der Regel die Fähigkeit, Gesichtsausdrücke und Gesten nachzuahmen, kleinere Objekte zu manipulieren sowie den Wunsch, mehr an der Umwelt teilzuhaben . Babys ab diesem Alter wissen, wenn sie etwas bestimmtes wollen- aber die Unfähigkeit, sich verständlich auszudrücken endet meist in Verzweiflung. Sicher sind Ihnen die Probleme von Eltern mit Kindern zwischen 6 Monaten und 3 Jahren nicht unbekannt! Frustration, Wutausbrüche, Tränen... und nicht nur vom Baby...zehren doch grade in dieser Phase den meisten Eltern an den Kräften! Wie oft habe auch ich gesagt : Ich wünschte mir ich könnte in den Kopf meines Babys schauen und sehen was da vor sich geht!
Babysigning ist für mich wie der Schlüssel für eine Schatztruhe- eine Möglichkeit in den Kopf des Kindes 'hereinzuschauen'...an deren Welt teilzuhaben, und zwar MONATE bevor sie sprechen können.
Joseph Garcia aus den USA was einer der Ersten, die dieses Phänomen beobachtet haben und weiter ausgebaut haben. Er lernte in den 70-gern ASL und besuchte eines Abends Nicht hörende Freunde von ihm, die ein hörendes Kleinkind im vorsprachlichen Stadium hatten. Er sah, dass dieses Kind einige Gebaerden benutzen konnte, um mit seinen Eltern zu kommunizieren! Fast gleichzeitig recherchierten auch Linda Acredelo und Susan Goodwyn von der Universitaet in Californien diese Fähigkeit. Die Ergebnisse waren, dass u.a. herausgefunden wurde:
Die Vorteile sind also nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig Es erstaunt mich immer wieder zu sehen, dass 8 Monate alte Babys in der Lage sind, ihre Wünsche mitzuteilen... sei es z.B., dass sie etwas zu Trinken brauchen, dass sie einen Vogel gesehen haben, dass sie ihren Ball haben wollen etc. Wutausbrüche werden weniger, Babys lernen viel früher den Wert und den Ablauf von Kommunikation. Allein die Freude im Gesicht eines Babys, wenn es anfängt, sich in Gebärdesprache auszudrücken und verstanden zu werden (!) ist einzigartig!
Mich fragte kürzlich eine Mutter am Telefon, warum Babysigning denn notwendig sei- ihr Sohn versteht doch fast alles, was sie sagt! Ja, das ist ja grade der Punkt: Die Babys verstehen meist mehr als wir ihnen zutrauen, aber sie haben keine Möglichkeit, sich zu verständigen. Bis sie anfangen zu sprechen, geht die Kommunikation nur durch ein Reagieren auf den Monolog der Eltern. Manche Mütter sagen mir auch, dass ihr Baby schon bevor sie meinen Kurs besucht haben, anfingen für bestimmte Dinge selbst Gesten zu machen- von sich heraus! Babysigning baut auf dieser natürlichen Fähigkeit auf.
Auch sprach behinderte Kinder können (mit Zusammenarbeit von Sprachtherapeuten) von diesen Kursen profitieren. Ich habe einen 4 jährigen sprach behinderten Jungen, (dessen Mutter ist auch eine Deutsche), der durch die Kurse enormen Spaß am Erlernen der Gebärdesprache entwickelt hat. Ich hoffe auch, demnächst ein Baby mit Down Syndrom dabei zu haben.
Meine Kurse sind auf Joseph Garcia's System aufgebaut. Alle Kursteilnehmer sind sehr begeistert von dem Kurs- auch in der Anfangszeit, wenn die Babys noch keine Gebaerden nachmachen, dann sind die Lieder, Tänze und Geschichten trotzdem für die Babys anregend und wertvoll. Wenn sie dann anfangen, die Gebaerden zu machen (bei den Jüngeren um 6 Monate kann das bis zu 12 Wochen dauern), dann macht das Ganze um so mehr Spaß! Ich hoffe, dass Babysigning bald auch nach Deutschland kommen wird- Babys und Mütter werden davon profitieren! Viele Grüße Katja
Auch ohne Anleitung können Sie mit Ihrem Kind die Gebärdensprache lernen. Den Wortschatz, den Sie brauchen ist auf der CD-ROM "Tommys Gebärdenwelt 1 + 2" enthalten. Versuchen auch Sie es. Mit ein bisschen Geduld werden Sie nach ein paar Wochen mit einem "Mama"´, "Papa", "Milch" und vielem mehr in Gebärdensprache belohnt.
Links zum Thema:
http://www.aerztlichepraxis.de/aktuell/artikel/1092835048/paediatrie/psyche
Gebärdensprache auch für hörende Kinder
http://www.marilyndaniels.com/
Karin Kestner