Kulturpreis an Karl Hermann Haack verliehen
Im Rahmen der Feier zum 75jährigen Verbandsjubiläum wurde Herrn Karl Hermann Haack am 18.10.2003 in Erfurt der Kulturpreis des Deutschen Gehörlosen-Bundes verliehen. In seiner Eigenschaft als Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen hatte er maßgeblich zur gesetzlichen Anerkennung der Gebärdensprache in Deutschland beigetragen. Im Jahr 2001 trat das Sozialgesetzbuch IX, im Jahr 2002 das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft. Die Gesetze gelten für den Zuständigkeitsbereich der Rehabilitationsträger bzw. Bundesbehörden und geben Gehörlosen erstmals das Recht auf Verständigung in der Gebärdensprache. Dazu müssen bei Bedarf auf Kosten der zuständigen Behörde Gebärdensprachdolmetscher hinzugezogen werden.
Die gesetzliche Anerkennung der Gebärdensprache ist einer der größten Erfolge in der Geschichte des 1927 als Reichsverband der Gehörlosen Deutschlands (REGEDE) gegründeten Verbandes. Bis heute versteht sich der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) als sozialpolitische Interessenvertretung der ca. 80.000 Gehörlosen in Deutschland. Daneben engagiert sich der Verband mit seinen ca. 34.000 Mitgliedern aber auch für schwerhörige und ertaubte Menschen, die die Gebärdensprache benutzen.
Die Feierlichkeiten zum 75jährigen Jubiläum konnten aus finanziellen Gründen nicht wie geplant im September 2002 am Gründungsort Weimar stattfinden. Mit einem Festbankett in Erfurt wurde die Veranstaltung nun nachgeholt. Es nahmen ca. 120 gehörlose und hörende Gäste, darunter das Präsidium des Deutschen Gehörlosen-Bundes und Delegierte der 24 Mitgliedsverbände, teil. Als Ehrengäste konnten neben dem Bundesbehindertenbeauftragten u.a. Vertreter der Stadt Erfurt, des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, des Deutschen Schwerhörigenbundes und des Bundeselternverbands gehörloser Kinder begrüßt werden. Außerdem waren Knud Sondergaard (Präsident der European Union of the Deaf), die beiden ehemaligen DGB-Präsidenten Wolfgang Czempin und Dr. Ulrich Hase sowie die ehemaligen Präsidenten des Gehörlosen- und Schwerhörigenverbandes der DDR, Karl Reschke und Karlheinz Kunze, unter den Festgästen.
Jochen Muhs und Helmut Vogel erinnerten an die Höhepunkte der Verbandsgeschichte, ließen aber auch die schwierige Zeit des Nationalsozialismus mit der Gleichschaltung des Gehörlosenverbandes nicht aus. Daran anknüpfend brachte die wiedergewählte Präsidentin des Deutschen Gehörlosen-Bundes, Gerlinde Gerkens, ihr tiefes Bedauern darüber zum Ausdruck, dass sich während der Nazizeit auch Gehörlose am Unrecht gegenüber Gehörlosen mitschuldig gemacht haben. Dabei spielte sie z.B. auf den Ausschluss jüdischer und politisch andersdenkender Gehörloser aus den Gehörlosenvereinen sowie die Zuführung "erbkranker" Gehörloser zur Zwangssterilisierung an.
Durch das Programm führte der gehörlose Moderator Roland Kühnlein. Mit der Gruppe Chemnitzer Panto & Magie Show wurde Unterhaltung für die gehörlosen und hörenden Gäste geboten. Außerdem übertrugen Studierende der Fachrichtung Gebärdensprachdolmetschen von der Westsächsischen Hochschule Zwickau Lieder in die Gebärdensprache.
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