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Referat zum Thema Gehörlosenschule

von Steffi Mayer 08.03.2002

Ich möchte euch heute etwas über Gehörlose und ihre Schule erzählen. Bevor ich anfange, sollte ich aber erstmal den Begriff "Gehörlose" definieren: Gehörlose sind per Definition im Lexikon zur Wahrnehmung von Gehöreindrücken unfähige Menschen. Wobei die meisten ein geringen Hörrest haben.

Die Gebärden- und Lautsprache sind Sprachen die es diesen Menschen trotz ihres Defizits möglich machen, sich zu verständigen. Wie diese Sprachen sich gestalten und worin sie sich unterscheiden möchte ich nun erklären: Die Gebärdensprache ist eine natürliche Zeichensprache und erfüllt die allgemeinen Definitionskriterien für Sprache. Sie verfügt über eine sehr komplexe und klar strukturierte räumliche Grammatik. Ihre Ausdrucksformen sind dabei optimal auf die visuelle Wahrnehmung abgestimmt. Obwohl die Gebärdensprache die Sprache ist, mit der sich die Gehörlosen untereinander verständigen, wird sie in deutschen Schulen nicht unterrichtet. Bei der Lautsprache soll der Gehörlose das Lippenablesen und das Nachsprechen lernen. Doch das Mundbild ist schwierig abzulesen und so kann ca. nur 30% des Gesagten verstanden werden. Doch eine besondere Schwierigkeit für die Gehörlosen ist die Steuerung der Lautsprachorgane. Es bedeutet einen großen Kraftaufwand, sich der Stimme zu bedienen, wenn man sie nicht über das Gehör steuern kann. Nur mit großer Konzentration können Gehörlose sich der Lautsprache bedienen. Eine Alternative ist die LBG (Lautsprachbegleitende Gebärdensprache). Sie ist das am häufigsten verwendete Mittel in der Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen. LBG und Mundbild geben eine aufeinander abgestimmte Information, die das Mundbild eindeutiger werden lassen. Eingeschlossen ist dabei das internationale Fingeralphabet. Es dient dazu, Worte, die nicht gebärdet werden können, zu buchstabieren. Die Gebärdensprache ist für Gehörlose die Muttersprache, weil sie die ihren Fähigkeiten angepasste Sprache ist. Dennoch ist die Lautsprache, die in den Schulen gelehrte Sprache. Da sie die Sprache ihrer Umwelt ist, ist sie wichtig für ein selbständiges Leben. Das berechtigt jedoch nicht, die Gebärdensprache abzuqualifizieren, so wie es Gehörlose oft erfahren.

Als nächstes möchte ich die Situation gehörloser Kinder in der Schule beschreiben: Leider wird bei Kleinkindern die Hörbeschädigung oft erst sehr spät bemerkt. die Frühförderstellen, die den Gehörlosenschulen angegliedert sind, beginnen nach der Bekanntgabe der Diagnose mit der Schulung des Kleinkindes. Eltern gehörloser Kinder erlernen nur selten die Gebärdensprache, da sie von den Gehörlosenschulen nicht gefördert wird. Viele Kinder leben während ihrer Schulzeit in Internaten und Pflegefamilien. Ein Großteil der Unterrichtsstunden ist darauf ausgelegt den Kindern in kleinen Gruppen die Lautsprache beizubringen. Das ist ein schwieriges Unterfangen. Ein hörendes Kind erlernt die Lautsprache durch Absehen, Hören, Ausprobieren und Kontrollieren. Ungleich schwerer ist das Erlernen für ein gehörloses Kind. Durch das fehlende Hören ist eine Kontrolle nicht möglich und ein Ausprobieren ohne Kontrolle ist unsinnig. Daher verlangt das Erlernen der Lautsprache den Kindern große Kraftanstrengungen und eine enorme Disziplin ab. Während hörende Kinder schon in der Lage sind durch Fragen und Interesse ein großes Wissen anzueignen, müssen gehörlose Kinder ihre Kraft noch auf der Erlernen der Sprache konzentrieren. Daher setzt ihre Wissensentwicklung oft später an und ist in vielen Fällen lückenhaft. Trotzdem können viele Gehörlose später studieren. Während in den Schulen ausschließlich Lautsprache unterrichtet wird, eine Ausnahme bilden in Deutschland 6 Schulen, lernen die jüngeren Kinder von den älteren auf dem Schulhof das Gebärden, da sie dadurch Informationen entschieden schneller aufnehmen können. Auch minimale Hörreste sollen durch Training und medizinische Eingriffe erhöht werden. Hierbei wird sehr oft das so genannte Cochlaer Implantat eingesetzt. Dieses wird operativ eingesetzt und in einem komplizierten Verfahren mittels Computer individuell eingestellt. Dieses Implantat ist jedoch nicht unumstritten. Dem großen Lob in Mediziner- und Gehörlosenlehrerkreisen steht die völlige Ablehnung der Gehörlosen gegenüber. Es wird kritisiert, dass das Cl Nebengeräusche ebenso verstärkt, wie alle anderen Informationsgeräusche. Der Gehörlose ist plötzlich einer permanenten Geräuschkulisse ausgesetzt. Oft sind andauernde Kopfschmerzen als Nebenwirkung beklagt worden. Bei unglücklich verlaufenden Operationen können auch Hörreste zerstört werden. Auch die Auswirkung auf die Erlernung der Lautsprache ist nicht gewährleistet . Bei einer großen Anzahl Hörgeschädigter trifft in zunehmendem Alter das Cl auf Ablehnung und wird nicht mehr genutzt. Die hohen Kosten (ca. 60000 $) stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Zeit und Geld werden für das Cl verwendet, die Gebärdensprache jedoch wird nicht gefördert. Das Kind kann nicht in die Kultur der Gehörlosen hineinwachsen. Hörende Eltern müssen für ihre Kinder entscheiden, beraten werden sie durch hörende Ärzte. Gehörlose empfinden das Cl als eine Gefährdung, sowohl des Individuums als auch ihrer Kultur.

Ein Großteil der Schulzeit wird also damit verbracht die gehörlosen Kinder in eine Welt zu quetschen in die sie nicht gehören. Der andere Teil wird genutzt den Kinder das beizubringen was jedes Kind in einer anderen Schule auch lernen muss, doch auch in Alltagssituationen müssen die Kinder lernen ohne Gehör zurecht zu kommen und auch das wird in den Gehörlosenschulen gelehrt.

Für Hörende ist es oft sehr schwer Gehörlose bei den Versuchen zu sprechen zu verstehen, da sich die Stimme der Gehörlosen oft sehr unangenehm anhört und die Wortlaute schwer zu verstehen sind. So schlägt der Integrationsversuch der Schule in der Wirklichkeit fehl, da solche Menschen in unserer Gesellschaft schlecht akzeptiert werden. Viele Gehörlose mit Cl sitzen daher ihr ganzes Leben zwischen den Stühlen der 2 verschiedenen Gesellschaften. Sie werden anhand mangelnder Sprachkenntnis nicht in der Gesellschaft der Hörenden aufgenommen und wegen mangelnder Gebärdenkenntnisse nicht in der Gemeinschaft der Gehörlosen.

Ältere Gehörlose berichten von ihrer Schulzeit, dass sie meist in Internaten oder Gastfamilien untergebracht waren. Die Erfahrungen waren dort sehr unterschiedlich. In manchen Gastfamilien fanden die Kinder kein zu Hause, manche Familien wurden zum Elternersatz. Ihre leiblichen Eltern sahen sie nur in den Ferien oder an langen Wochenenden. Das Engagement der Gehörlosenlehrer wird oft als überaus groß berichtet. Die Kontakte bleiben oft ein Leben lang bestehen. Auch ist heute noch die Anforderungen an die Lehrer sehr hoch.

Nachmittags und an den Wochenende stehen den Kindern des Internates Betreuer zur Verfügung. Sie helfen den Kindern sowohl bei den Hausaufgaben als auch bei den anderen Dingen des Alltages die ohne Gehör schwer zu bewältigen sind. Es werden auch Arbeitsgemeinschaften und Spielgruppen gebildet, die den Kindern eine abwechslungsreiche Freizeit ermöglichen.

Dabei reichen die Aktivitäten vom Sport über Kochen und Naturerlebnisse, bei denen es auch darum geht die Gemeinschaft der Kinder zu fördern und den Kindern eine gewisse Geborgenheit zu ermöglichen.

Das Internat ist für die Kinder Familie und Schule zu gleich und so hat eine Gehörlosenschule weit aus mehr zu leisten als ein gewöhnliche Schule.

Viele Kinder tun sich schwer soziale Kontakte zu knüpfen da sie Schwierigkeiten mit der Verständigung haben oder durch Kommunikationsprobleme im Elternhaus nicht wissen wie man mit anderen Menschen umzugehen hat. Für all diese Probleme sind Lehrer und Erzieher da und tun ihr Bestes, um den Kindern eine gesicherte Zukunft zu sichern, doch dies würde bestimmt auch leichter fallen, wenn den Gehörlosen von der Schule eine Sprache gegeben würde, die es ihnen ermöglicht sich schneller und mit mehr Sicherheit zu verständigen.

Während ich mich mit diesem Thema auseinander gesetzt habe, ist mir aufgefallen wie komplex dieses Thema ist. Ich habe nun besser verstehen gelernt wie es Gehörlosen geht und wie sie von uns hin und her geschoben werden, wie wir es gerade für gut halten. Noch heute verbinden viele Menschen Gehörlose mit geistig Behinderten, doch dies ist falsch, denn jemand der sich nicht mitteilen kann ist noch lange nicht blöd. Deutschland ist mit der wissenschaftlichen Forschung der Gebärdensprache weit hintendran. Während in anderen Ländern die Gebärdensprache an Schulen unterrichtet wird und teilweise sogar als 2. Landessprache gilt, ist in Deutschland die Gebärdensprache teilweise noch nicht mal als Sprache anerkannt. Dass macht es den Gehörlosen schwer sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden und noch haben sie nicht die Chancen auf ein Leben, wie es jedem Menschen zusteht.

Steffi Mayer

 

Hier noch das liebe Mail an mich von Steffi:

Hallo liebe Karin !!!

Nach einer Woche hab auch ich es geschafft meine Arbeit fertig zu machen und ich hab gedacht ich schick sie dir mal. Es war für mich gar nicht so einfach all die Informationen, die ich von dir bekommen hab, einzubauen und überhaupt erstmal alles richtig zu formulieren !!Das war echt nicht leicht, aber ich hoffe, dass es mir einigermaßen gelungen ist ! Ich hätte bestimmt noch einige Seiten über das Thema schreiben können, doch da ich eigentlich über die Schule der Gehörlosen einen Bericht schreiben sollte, musste ich auch immer wieder zu diesem Thema zurück kehren. Mir war aber sehr wichtig das Problem dieser ganzen Sache anzusprechen und zu verdeutlichen, ich hoffe das hab ich auch geschafft :-) Dir will ich jetzt auch noch mal aus ganzem Herzen danken, dass du mir so lieb und geduldig zu gehört hast und mir alles sehr anschaulich erklärt hast !Mich hat das Thema an diesem Abend nicht mehr losgelassen und das lässt es mich heute noch nicht und ich hab auch noch mal viel mit meiner Mutter darüber gesprochen und sie hat gemeint, dass auch wenn die Sache mit dem Cochlaer Implantat für Eltern sehr reizvoll sei, sie es nicht machen würde oder besser gesagt, gemacht hätte, darüber bin ich ganz ehrlich gesagt echt erleichtert !!! Ich hoffe, du schreibst mir noch kurz was du von meinem Aufsatz hältst !! Vielen

Dank für deine Hilfe !!! Bis demnächst ! Steffi

 

 
 
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