Eine hörende Künstlerin beschäftigt das Thema Gehörlosigkeit und Gebärdensprache so sehr, dass sie in monatelanger Arbeit Werke für eine große Ausstellung hervorbringt. Hörenden Menschen die Gebärdensprache nahe zu bringen war ihr Ziel. Das hat sie mit einer überwältigenden Ausstellung geschafft.
Irene Rezzonico, gebürtig aus Kassel, ist es gewöhnt mit lebhaften Menschen zu sprechen, hat sie
doch italienische Freunde, die sowieso, sagt sie, mit Händen und Füssen kommunizieren. Die
Gebärdensprache der Gehörlosen aber, sah sie das erste Mal auf der Straße in Kassel. "Sie haben so
eindrucksvoll und voller Hingabe gebärdet, das faszinierte mich sofort. Ich war überwältigt von der
glücklichen Ausstrahlung der beiden Männer, denen ich heimlich zusah. Ein Zufall, eine Annonce in
der Zeitung machte mich auf einen Gebärdensprachkurs aufmerksam. Obwohl ich Unterricht und Schule
hasse, musste ich dorthin gehen um Gebärdensprache zu lernen."
Oberbürgermeister Georg Lewandowski hielt vor ca. 200 interessierten, vor allem hörenden Menschen
die Eröffnungsrede. "Sie lernen hier die Gebärdensprache kennen, in den ausdrucksstarken Bildern von
Frau Irene Rezzonico, die in der ganzen Welt bekannt ist und live durch die Dolmetscherin Frau Karin
Kestner, die uns eindrucksvoll zur Seite steht, um unseren gehörlosen Mitmenschen unsere Lautsprache
in Gebärdensprache zu vermitteln."
Prominenz aus der politischen Szene, Mitarbeiter aus Beratungsstellen für Hörgeschädigte, der Behindertenbeirat Kassels, der sich immer sehr für die Gebärdensprache einsetzt und viele andere folgten gebannt seiner Rede, ohne die Dolmetscherin aus den Augen zu lassen :-) OB Georg Lewandowski (im Hintergrund die Büste von Altoberbürgermeister Karl Branner)
Dagmar Ruppert, die gehörlose Gebärdensprachkursleiterin aus Kassel konnte Frau Rezzonico durch
ihre sympathische Art die Abneigung vor Schulbänken nehmen. "Ich war zwar nicht ihre beste
Schülerin", sagt Frau Rezzonico, "aber sie hat mich die Gebärdensprache und die Gehörlosen begreifen
gelehrt".
Frau Rezzonico vor ihrem Bild mit dem Titel "schwimmen".
Die Armbewegungen werden in Kreisen dargestellt, die der Gebärde Schwimmen entsprechen.
Gebärde "Schneiden".
Ihre Botschaft an die Gehörlosen: Geht mehr an die Öffentlichkeit! Macht mehr Werbung für eure Sprache! Setzt durch, dass allen Kindern, ob hörend oder gehörlos, die Gebärdensprache angeboten wird.
- und an die Hörenden: Zerschneidet die Barrieren zwischen den Hörenden und den Gehörlosen! Durch Gebärdensprache ist eine Kommunikation unter allen Menschen möglich.
Mein Lieblingsbild! Preis 4500,00 Euro. Leider nicht für mich erschwinglich.
So wurde die Gebärde "Lampe" sicher noch nie dargestellt. In den Bildern sieht jeder, die Künstlerin hat sich intensiv mit dem Thema Gebärdensprache auseinandergesetzt.
Sie ist verheiratet, selbstbewusst und selbständig, was es ihr ermöglicht Bilder zu malen, deren
Inhalt für sie wichtig ist, ohne darauf achten zu müssen sie auch zu verkaufen. (Was aber nicht
bedeutet, dass sie sie nicht auch gerne verkauft!!) Andere Themen von Ausstellungen sind "Gewalt"
und die "Hopi-Indianer".
Bernhard und Dagmar Ruppert, die Gebärdenkursleiter, die schon so manches Talent entdeckt haben (u.a.
mich), leiten in Kassel mehrere Gebärdensprachkurse. In der Volkshochschule, im Dock 4, einem
Kulturzentrum in Kassel und Frau Ruppert auch in der GHK-Kassel. Sie stehen vor dem Bild "Mama".
Frau Ruppert kann mit Recht stolz auf ihre Schülerin sein. Hat Frau Rezzonico doch, um die
Gebärdensprache an die Öffentlichkeit zu bringen viele Stunden ihrer Zeit geopfert.
Das Fingeralphabet, nicht nur gehörlosen Künstlern ist es vorbehalten Hände so schön
darzustellen. Die Ausstellung von Frau Rezzonico kann auch bestellt werden. Gerne würde sie die
Gebärdensprache auch in anderen Städten zeigen, um hörenden die Welt der Gehörlosen vorstellen zu
können. - So, wie sie die gehörlosen Welt erlebt hat, sympathisch, offen und tolerant.
Die Insel: Die Welt der Gehörlosen müsste nicht so wie diese Insel klein und isoliert sein, wenn
es mehr Menschen wie Irene Rezzonico gäbe. Sie hat erlebt, dass Gehörlose nicht kommunikationsarm
sind, nur weil sie nicht stimmlich sprechen. Sie hat die Gebärdensprache gespürt!
Ihre Bilder und Skulpturen können nach Absprache auch in ihrem Atelier in Kassel in der Goethestr. 70 besichtigt werden.
Karin Kestner
Gebärdensprachkurse bei Frau Ruppert: Weitere Informationen unter:
Dagmar Ruppert
Postfach 102805
34302 Kassel
Fax: 0561- 891662
Gedankengänge die mich in die Welt der Gehörlosen eindringen ließen: "Was hat ein Maler mit Tauben gemein?" Er sieht die Welt durch seine Augen. Seine Hände sind sein Instrument, um sich zu verwirklichen. Meine Arbeit vollzieht sich in Stille. Meine Überzeugung ist, dass gehörlos zu sein, von Geburt an, keine Behinderung ist. Sie wird es erst dann, wenn der Gehörlose nicht akzeptiert wird und keiner Anstalten macht seine Sprache zu erlernen. Meine Bilder sollen keine soziologe Studie sein, aber ein Beitrag sich mehr um die Belange dieser Menschen zu kümmern und um endlich die Gebärdensprache als eigenständige Sprache anzuerkennen und sie von der Grundschule auf zu lehren. Das Wort "Trennen" isolieren, sollte es in Bezug auf andere Menschen nicht geben.