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Erhöhtes Risiko der Hirnhautentzündung nach Cochlea-Implantation

von Karin Kestner 04.08.2002

 

Meningitis - bedeutende Ursache für Krankheit und Sterblichkeit nach CI-Implantation

Seit ca. 1984 werden in Deutschland Menschen mit Cochlea-Implantaten versorgt. Seit den 90er Jahren auch Kinder, jetzt werden sogar schon Babys mit 3 Monaten operiert. Langzeitstudien gab es nicht, zumindest wurden sie nicht veröffentlicht. Statistiken zu Risiken während und nach den Operationen wurden nicht oder nur spärlich geführt und nur in der Fachpresse veröffentlicht.

Seit Jahren schon machen die Gehörlosen aus aller Welt darauf aufmerksam, dass große Gefahren für die Patienten während und nach der Implantation auftreten können. Jeder Beitrag von Gehörlosen, aber auch Hörenden, in dieser Richtung wurde als Panikmache und Hetze gegen das CI vom Tisch gewischt. Es wurde ihnen unterstellt, dass sie "nur" ihre Kulturgemeinschaft erhalten wollten.

Aber das Internet macht es möglich, immer mehr Meldungen über Infektionen während und nach den Operationen wurden öffentlich.. Bei den implantierten Patienten der Anfangszeit der Implantationen sind inzwischen 25 registrierte Fälle von Meningitis weltweit aufgetreten, sowohl kurz nach der Implantation als auch nach vielen Jahren. Die Masse der Patienten wurde aber in den letzten 5 Jahren operiert. Die Zahlen der Meningitis (Hirnhautentzündungen) der Mittelohrentzündungen oder der "Implantatsentzündungen" kann also noch steigen, denn die Gefahr besteht ein Leben lang!

Zur Implantatsentzündung ein Zitat aus einem Artikel des Dr. Neuburger aus der MHH (Medizinische Hochschule Hannover)

"Der Grund dafür ist, dass eine Mittelohrentzündung prinzipiell auch das Cochlea-Implantat oder Teile davon infizieren könnte. Ein infiziertes CI ist in aller Regel nicht mehr zu retten. Es muss explantiert werden; bis zur Neuimplantation muss dann nach gegenwärtigem Kenntnisstand sechs Monate abgewartet werden. Es ist leicht zu verstehen, dass das eine schlimme Situation für den betreffenden CI-Träger darstellt" Zitat Ende

Hirnhautentzündung kann zu schweren Schäden führen, wie Hörstörungen, Epilepsie oder geistiger Retardierung, in sehr schweren Fällen auch zum Tode. Es sind jetzt nicht mehr nur die EINZELFÄLLE, die nicht belegt werden können, es sind nicht mehr nur Zufälle, es ist keine Panikmache mehr zu unterstellen. Es ist ein bedeutendes Risiko für alle Menschen mit CI!

Die MHH hat in einem Schreiben an alle CI-Patienten der MHH auf das erhöhte Risiko hingewiesen und die Patienten aufgefordert sich gegen Pneumokokken und Haemophilus B impfen zu lassen. siehe auch http://www.hcig.de/Infos/Medizinisches/med_7.htm . Die Impfung schützt aber nicht zu 100% - gegen eine Mittelohrentzündung nur zu 57% - gegen eine Hirnhautentzündung durch Pneumokokken zu ca. 85%. siehe auch http://www.apoline.de/75-01.htm Es gibt aber noch mehr Bakterien, die eine Hirnhautentzündung hervorrufen können.

Der Bericht der kurzfristig einberufenen Konferenz der europäischen CI - Chirurgen (mit Konferenzleitung nach USA) vom 05.07.2002 in Amsterdam, besagt zusammenfassend:

Wesentliche Ergebnisse:

  • In der letzten Zeit hat sich Meningitis als eine bedeutende Ursache für Krankheit und Sterblichkeit nach Cochlea-Implantation herausgestellt.
  • Dabei kann die Meningitis in den auf die Implantation folgenden Tagen auftreten oder erst mehrere Jahre später. Die Meningitis kann plötzlich auftreten und scheint eine hohe Sterblichkeitsrate zu haben.
  • Klinische Anzeichen einer akuten Mittelohrentzündung, die die Meningitis begleitete, wurden nur in einigen Fällen bestätigt.
  • Der häufigste Erreger ist Streptococcus Pneumoniae, (Pneumokokken) aber auch eine Anzahl anderer Organismen waren beteiligt. In vielen Fällen wurde kein Organismus kultiviert. Ein Fall soll in einem Patienten aufgetreten sein, der vorher gegen den Pneumococcus-Erreger geimpft worden war.
  • Es ist wahrscheinlich, dass alle Cochlea-Implantat-Elektroden als Leitungen dienen können für die Ausbreitung der Infektion vom Mittelohr zur Cochlea und so Meningitis verursachen könnten. Jedoch scheint das Auftreten von Post-Implantatinons-Meningitis bedeutend höher zu sein bei Implantatssystemen, die ein Elektroden-Array aus zwei Komponenten haben. Ein aus zwei Komponenten bestehendes Elektroden-Array besteht definitionsgemäß aus zwei bleibenden, getrennten Komponenten, die sich innerhalb der Cochlea befinden. Es beinhaltet nicht geteilte oder doppelte Elektroden-Arrays, die für verknöcherte Cochleae benutzt werden.
  • Es gibt Impfungen gegen den Pneumococcus-Erreger, aber selbst die neuesten polyvalenten Konjugats-Impfungen bieten nur teilweisen Schutz. Das heißt, dass die Elektroden des Implantates immer eine Verbindung (Steigleiter) zur Hirnhaut bedeuteten, ein Leben lang.

Weitere Infos auch auf der amerikanischen Seite der FDA (US-Gesundheitsbehörde) http://www.fda.gov/cdrh/safety/cochlear.html

Sie bitten um Meldung der bekannten Fälle.

 

 
 
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