Ich
versuche meinen Dolmetscher-Praktikantinnen immer eine große Palette von Eindrücken zu vermitteln,
deshalb waren Isolde Stohr, Daniela Klug, Simone Lönne (Studentinnen aus Magdeburg) und ich, auf
meine Bitte hin, zur Hospitation in 2 Klassen der Homberger Hermann-Schafft-Schule eingeladen. Eine
Klasse gebärdensprachlich geführt, eine lautsprachlich mit LBG.
Rückblick: Noch vor 9 Jahren wurde ich ziemlich barsch vom damalig kommissarisch eingesetzten Direktor daraufhin gewiesen, dass man auf dem Schulgelände nicht gebärden sollte. Es gab Pressemeldungen darüber. :-) Schon damals, als blutige Anfängerin, wusste ich, dass die Kinder Gebärdensprache brauchten. Heute: Unsere Eindrücke vom 25.05.2002
Unter dem Bild von Hermann Schafft warteten wir auf den Unterrichtsbeginn in einer
gebärdensprachlich geführten Klasse. Wir waren sehr gespannt, wie der Unterricht dort abläuft und
welche Gebärdenkompetenzen die Kinder einer 7. Klasse in 2 Jahren aufbauen konnten. In der HSS wird
ab der 5. Klasse auf Wunsch gebärdensprachlich unterrichtet
Das sind die Jungs und Mädchen der gebärdensprachlich geführten Klasse 7 . Lustige
aufgeschlossene junge Menschen. Alle Kinder tragen Hörgeräte, ein Kind ein CI. Sie freuten sich mit
uns ein bisschen zu plaudern :-). Sie fragten viel und erzählten auch von ihrem Leben.
Simone Lönne selbst hörgeschädigt, bald Relaisdolmetscherin, fühlte sich sehr wohl in der Klasse.
Sie erzählte von ihrer Schulzeit, in der sie noch stillsitzen musste und nicht mit den Händen reden
durfte. Die Kinder sind schon recht fit in der Gebärdensprache und der Deutschunterricht verlief
reibungslos. Es gab keine Verständigungsschwierigkeiten.
Zur Erklärung: eine Relaisdolmetscherin (meist selbst gl) wird in den Dolmetschprozess zwischen Dolmetscherin und Gehörlosem eingesetzt, wenn der Gehörlose nur wenig DGS-Kompetenz hat. Es wird auf sein Sprachniveau Rücksicht genommen, ohne das Inhalte verloren gehen.
Frau Jähnke, Deutschlehrerin, eine der gebärdensprachkompetenten Lehrerinnen an der HSS.
Einhellige Meinung der Praktikanten und mir: Sehr guter Unterricht in voll DGS. Sie hatte es in den
2 letzten Jahren nicht immer leicht, denn immerhin hatten die Kinder bis zur 5. Klasse keinen
Unterricht in DGS.
Wir sind aber sicher, dass sie den Rückstand der Kinder in einiger Zeit aufarbeiten kann.
Alle posierten noch mal gern für ein Foto, als sie erfuhren, dass sie im Internet erscheinen.
Vielen Dank:-)
Herr Veltin, er war der erste Lehrer in Homberg, der vor vielen Jahren schon einen LBG Kurs
mitmachte. Er unterrichtet Deutsch in einer Schwerhörigen-Klasse in Lautsprache, LBG bzw. LUG.
Auch sein Unterricht war für uns sehr interessant. Die Kinder waren zum Teil die reinsten Künstler, wenn es ums Witze erzählen ging - natürlich in Gebärdensprache. Wir haben sehr gelacht.
2 Jungs aus seiner Klasse.
Ein Schnappschuss auf dem Schulhof. Jetzt wissen Sie wie gehörlose Kinder flüstern! Hinter der
hochgehaltenen Jacke wird gebärdet, was das rothaarige Mädchen nicht erfahren soll;-)



Viele Kinder, mit den verschiedensten Handicaps, besuchen die HSS in Homberg. Hörgeschädigte mit
und ohne HG oder mit CI, sprach- und lernbehinderterte, aber auch verhaltensauffällige Kinder. In
der HSS ist eine gehörlose Sozialarbeiterin eingestellt worden, die Eltern und Lehrern mit ihrer
Erfahrung viel helfen kann. Eine gehörlose zukünftige Lehrerin absolviert dort ihre Referendarzeit .
Sicher gibt es noch einige Lehrer in der HSS, die der alten Zeit anhängen und auf das allein "seelig machende" Sprechenlernen setzen. Aber die Kinder der HSS, die wir gesehen haben, zeigten uns, dass sie mit der neuen Unterrichtsform gut zurecht kommen und mit Spaß bei der Sache sind.
Zu verdanken ist der Wandel im Denken dem Direktor, Lothar van Eikels. (Leider hab ich vergessen ihn zu fotografieren:-)
Vielen Dank für den netten Empfang.
Karin Kestner