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Leserbrief zu den Artikeln:

"Tönt das Martinshorn im Ohr, ist der Notfall erledigt" und "Cochlear Implantat" 

Karin Kestner 21.08.2001

 

Gehörlose Kinder sind keine Notfälle

und ob sie hören wollen, die kleinen Kinder, denen das CI schon im Babyalter eingesetzt wird, wird nicht gefragt. Wimpernzucken wurde auch von anderen Audiologen als Zeichen des Hörens gewertet, den Eltern lange etwas vorgemacht. Die Enttäuschung kommt nur all zu oft nach jahrelangen Therapien, da bringt auch kein neues Gebäude für 5,6 Millionen DM etwas. Es platzt aus den Nähten, ganz sicher! Warum? Weil Eltern in ganz Deutschland durch subtile Werbung vorgegaukelt wird, dass man Gehörlosigkeit heilen kann… Oft kein Hören oder nur die Umweltgeräusche, (erstrebenswert?), keine Sprache oder nur die gleiche oft verwaschene Lautsprache der Gehörlosen ohne CI. Die Gehörlosen aber haben eine Sprache, die Gebärdensprache, in der sie sich virtuos unterhalten können. Diese Sprache wird den Eltern und Kindern erst nach jahrelangen Rückschlägen von den Pädagogen empfohlen. Das sind vergeudete Jahre!

Herr Professor Diller, kein Mediziner, sollte sich überlegen was er gegenüber der Presse behauptet. Das Risiko der Cochlear Implantation soll nach seinen Angaben nicht größer sein als das einer Mandeloperation? Besser er redet über etwas, was er versteht.

Die Risiken der CI -OP sind weitaus größer. Das Operationsfeld ist in einem Bereich in dem der Gesichtsnerv, der Geschmacksnerv und wichtige Venen zur Durchblutung des Hirns verlaufen. Das Implantat wird bei kleinen Kindern in den Schädelknochen eingesetzt. Es muss bis auf die harte Hirnhaut gefräst werden. Entzündung der Hirnhaut könnte die Folge sein. Sicher kommt es nicht häufig vor (Statistiken gibt es leider nicht auf dem Gebiet der CI - OP), aber es kann passieren. Erfolge beim Hören und Sprechen bleiben oft aus, können auch nicht vorher gesagt werden.

In gleicher Ausgabe der Frankfurter Rundschau, Artikel "Cochlea Implantat" meint Prof. Diller zu wissen, wie lange die OP dauert. "Die Operation unter Vollnarkose dauert "zwischen 40 Minuten und zwei Stunden", sagt Gottfried Diller." Er sollte sich mal schlau machen, eine nur 40 Minuten OP hat es noch nicht gegeben. Und weiter meint Herr Diller zu wissen: "Gut 60 Prozent der hörbehinderten Kinder können dank dieser Methode nach seinen Angaben wieder Regelschulen besuchen." Diese Zahlen stimmen nicht! Es sind weit weniger!

Und wenn sie auf die Regelschule gehen, fragt sich wie lange die Kinder es auf diesen Schulen dann aushalten, ohne ausreichendes Hörvermögen, um Sprache akustisch wahrzunehmen, immer an den Lippen der Lehrer hängend und den Diskussionen und Beiträgen der anderen Kinder nicht folgen könnend. Warum Eltern die heile, hörende Welt vorgaukeln? Damit der Anbau finanziert wird?

Karin Kestner

 
 
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