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Brief von Herrn Jacobs

mit Stellungnahme von Karin Kestner

Jacobs / Kestner 31.08.2001

Am 31.08.2001 erreichte mich folgendes Email:

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine E-Mail vom 16.07.2001 bzgl. Ihrer Fax-Anfrage vom 13.07.2001 wegen Casting "Tatort-Schützlinge" wurde aufgrund einer Indiskretion ohne mein Einverständnis bzw. eine Rückfrage an Dritte weitergegeben und hat verständlicherweise bei Betroffenen Irritationen, Ärger und Empörung erregt, was ich gut verstehen kann, weil

  • es selbstverständlich in Deutschland auch sehr gute gebärdenkompetente Gehörlose gibt, die als Schauspieler agieren könnten
  • meine recht kurzen Ausführungen in dieser Form verständlicherweise zu Missverständnissen führen und einige der verwendeten Begriffe und Aussagen natürlich interpretationsbedürftig wären
  • ich zu keiner Zeit die Absicht habe und hatte, Gehörlose zu verletzen oder gar zu diskriminieren, noch die Gebärdensprache negativ zu bewerten
  • ich ausschließlich Interesse an einer sachlichen Diskussion habe und nicht mit polemischen Behauptungen aggressive Diskussionen vom Zaun brechen möchte
  • in unserer Einrichtung selbstverständlich auch gehörlose Kinder mit Gebärdeneinsatz unterrichtet werden und dieses Kommunikationsmittel auch benötigen und ich mich eigentlich sehr - teilweise auch in großer Sorge - um eine zukunftsorientierte Bildung dieser Kinder bemühe. Ich bedauere meine dort gemachten Aussagen sehr und die nicht beabsichtigten Auswirkungen.

Mein Bemühen gilt weiterhin einer differenzierten Förderung gehörloser und schwerhöriger Schüler, welches den Einsatz der Gebärdensprache nicht ausschließt.

Deshalb bitte ich Sie, meine Nachricht vom 16.07.2001 aus Ihrer Datei zu löschen und Ihre Anfrage als nicht beantwortet zu sehen.

Mit freundlichen Grüßen

Jacobs

Bemerkung von Karin Kestner

Ein Löschen des Emails von meiner Seite kann Herrn Jacobs nicht viel helfen, da dieser Vorfall schon an die verschiedensten Verteiler in ganz Deutschland geschickt wurde. Im Interesse der Gehörlosen, der Gebärdensprachbefürworter sowie Herrn Jacobs, veröffentliche ich hier das Bedauerungsschreiben, gesendet an die Casting Firma. Wir hoffen, dass in Zukunft solche, wenn auch unbedachten Äußerungen weder von der Schulleitung Stegen noch von anderen Personen oder Institutionen kommen.

Die Gehörlosen haben sich gegen die Worte Herrn Jacobs massiv gewehrt, sie sind nicht mehr stumm!

Leider war Herr Jacobs nicht telefonisch zu erreichen, so konnte ich ihn nicht um die Genehmigung für die Veröffentlichung des Bedauerungsschreibens bitten. Ich hoffe, auch in seinem Sinne gehandelt zu haben.

Karin Kestner

 
 
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