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Mutter eines gehörlosen Jungen schreibt zu den Elternberichten

Claudia Beyerle 07.10.2001

Liebe Frau Kestner

Mein Sohn Sascha (er ist inzwischen 18 Jahre alt, und ein äußerst kommunikativer und offener Mensch), ist von Geburt an resthörig. Wenn ich die Erfahrungsberichte Betroffener bzw. deren Eltern lese, bin ich mit meinen Emotionen voll dabei, weil ich diese vielen Für und Wider von Lautsprache und Gebärdensprache selbst erlebt habe. Am meisten ärgern mich diese Fachleute, die permanent nur die Lautsprache vertreten, und Menschen, die gebärden, abwerten.

Ich bin froh, dass ich zumindest immer einen Mittelweg gegangen bin, weil mein Sohn bei zuviel Förderung der Lautsprache dicht gemacht hat. Da bin ich sehr froh drüber. Es ist schön zu sehen, wie er mit seinen Freunden so ungezwungen gebärdet, und wie schnell sie Kontakt untereinander überall bekommen. Wenn ich fremden gebärdenden Menschen begegne, geht mir mein Herz auf und ich möchte unbedingt besser die Gebärdensprache erlernen. Ich habe durch meinen Sohn, bzw. durch die Auseinandersetzung seiner Behinderung und Reaktionen von Schule und Fachleuten etc., lernen dürfen, keine Angst mehr zu haben und zu mir zu stehen. Ich habe gelernt, mich gegen "Obrigkeiten", z.B. Lehrer und Schulleiter, durchzusetzen, meine Meinung zu sagen und zu kämpfen. Leid tut es mir wirklich, dass ich oft noch zu zaghaft war und meinem inneren Gefühl bzw. vor allem Saschas Wahrnehmung und Reaktionen nicht unmittelbar und mutiger gefolgt bin. Heute bin ich dafür um so direkter und für manchen unbequem.

Für heute viele liebe Grüsse Claudia Beyerle

 
 
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