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Keine Gehörlosen mehr...

Meine Antwort auf das Motto des Lions-Club um Gelder zu sammeln

Karin Kestner 20.02.2001

 

An:

Lion Club Trimmburg Saaletal

Jürgen Bornkessel

Dalbergstr. 19 a

97762 Hammelburg

Volksblatt Würzburg /Hörscreening / Titel : Keine Gehörlosen mehr

Sehr geehrter Herr Bornkessel,

heute ( 20.02.2001 ) erschien im Würzburger Volksblatt der Artikel über die Spende eines Hörscreening-Gerätes welches Sie (Lions-Club) dem Wernecker Krankenhaus gespendet haben.

Eine wirklich löbliche Spende, keine Frage. Was aber mich als engagierte Gebärdensprachdolmetscherin und viele Gehörlose sehr erzürnte, hat war die Tatsache, dass Sie die Spende und die damit verbundene Aktion unter den Titel: - Keine Gehörlosen mehr- gestellt wurde. Reaktionen wurden u.a. auch von mir schon online abgegeben, sicher im ersten Zorn.

Kein sehr glücklich gewählter Titel, wenn Sie überlegen, dass es über 80.000 Gehörlose in Deutschland gibt. Auch ein Hörscreening wird in Zukunft aus gehörlos geborenen Kindern keine hörende Kinder machen. Mit allen technischen Hilfsmitteln die es zur Zeit gibt, einschließlich des umstrittenen Cochlear Implantates, werden es hörgeschädigte Kinder bleiben. Viele Kinder können auch überhaupt nicht behandelt werden, weil z.B. kein Hörnerv angelegt ist oder nur zum Teil funktioniert. Es gibt viele Gründe, warum auch das Cochlear Implantat keine Hilfe sein kann.

Dieser Titel - Keine Gehörlosen mehr - assoziiert leider, dass Gehörlose in Deutschland nicht erwünscht oder minderwertig sind. Nun, es nützt jetzt nichts mehr, es ist passiert. Aber es gibt natürlich viele Möglichkeiten für den Lions-Club der, wie ich weiß, sehr gemeinnützig arbeitet, den Schaden in irgendeiner Form wieder gut zu machen. Der preisgünstigste Weg wäre eine Entschuldigung an die Gehörlosen, den Sie in schriftlicher Form an mich senden könnten, ich würde ihn dann veröffentlichen. Der etwas teuere Weg wäre eine Spende an den Ausschuss des Deutschen Gehörlosen Bundes für die Kulturtage der Gehörlosen in München.

Unter dem Titel : "Kultur findet Anerkennung" 06. - 09. September 2001 Kulturzentrum Gasteig, München. http://www.gehoerlosen-kulturtage.de/ Die Gehörlosen organisieren alles ehrenamtlich. Bei diesen Kulturtagen geht es darum, den Wert der Gebärdensprache und die Kultur der Gehörlosen an die Öffentlichkeit zu tragen.

Cornelia von Papenheim ist die Ansprechpartnerin für die Kulturtage der Gehörlosen in München. Gleichzeitig arbeitet sie ehrenamtlich für die Anerkennung der Gebärdensprache in Deutschland. Auch Sie hat einen Beitrag online gestellt.

Cornelia von Pappenheim, nele@planet-interkom.de

Pflegerstr. 27

81247 München

Schauen Sie nicht vorbei an den Gehörlosen, die seit Jahrzehnten um das Recht kämpfen mit und in ihrer Sprache, der Gebärdensprache, erzogen zu werden. Schauen Sie nicht vorbei an den Kindern, die die Gebärdensprache bitter nötig haben, um ein autonomes, glückliches und wissensreiches Leben zu führen.

Mit freundlichen Grüssen

Karin Kestner

 
 
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