"Gottes vergessene Kinder". Vielleicht erinnern Sie sich noch an diesen Film, in dem es um die Liebe zwischen einer gehörlosen Frau und einem hörenden Mann ging. Verständigt haben sich die beiden über die Gebärdensprache. Für Karin Kestner aus Guxhagen war dies vor 8 Jahren der Auslöser selbst die Gebärdensprache zu erlernen. Heute ist sie nicht nur Gebärdensprachdolmetscherin, sondern auch Herausgeberin von CD-ROMs, die den Einstieg in diese besondere Sprache erleichtern. Ihr neustes Projekt "Tommys Gebärdenwelt", eine CD-ROM für Kinder. Dirk Neurath stellt sie vor.
Tommys Gebärdenwelt ist ein buntes Bilderbuch, durch das man sich hindurch blättern, oder besser: mit der Maus hindurch klicken kann. Für Kinder gibt es hier viel zu entdecken, auf einer Landkarte geht es los. Man kann z.B. einen Zoo besuchen, in den Wald gehen, in die Stadt, oder sich erst einmal Tommys Haus ansehen.
Dort können wir uns die verschiedenen Zimmer anschauen, wie das Kinderzimmer. Dort sind ganz viele alltägliche Dinge der Kinder, wie Spielsachen, das Bett, der Wecker, usw. Und jedes einzelne Teil kann man anklicken, wie z. B. den Malblock - und Thomas, der gehörlose Schauspieler und Regisseur aus Berlin, zeigt die dazugehörige Gebärde. Die Stimme ist eine Synchronstimme, damit schwerhörige Kinder über den auditiven Kanal auch noch etwas mitbekommen können. Das Ganze ist noch untertitelt, d.h. unter jedem Video ist auch noch das Wort geschrieben, so dass kleine Kinder zusätzlich lesen lernen können.
Multimedial werden die Wörter vermittelt, alles ist kindgerecht illustriert. Die Gebärdensprache ist keine internationale Sprache, wie viele glauben. In der Deutschen Gebärdensprache gibt es zwar durchaus eine andere Grammatik, aber ebenso viele Wörter, d.h. Gebärden, wie in der Lautsprache. Natürlich sind darunter auch viele abstrakte Begriffe, die sich nicht einfach so zeichnen lassen. Diese erklärt auf der CD-ROM der Pantomime NEMO.
Er musste z.B. "falsch" erklären. Was bedeutet "falsch" für ein Kind? Er macht das pantomimisch und man sieht genau, was es bedeutet. Thomas hat dann auf der anderen Seite die Gebärde für "falsch" gebracht, so dass Kinder es leicht begreifen lernen.
Karin Kestner stellt bei ihrer Arbeit als Dolmetscherin immer wieder fest, wie erschreckend niedrig das sprachliche Niveau von Gehörlosen oder auch Schwerhörigen ist. Viele können nur wenige Gebärden, zahlreiche Begriffe werden erst gar nicht verstanden, weil ihnen nie eine Vorstellung von deren Inhalt vermittelt wurde.
Es ist so, dass an den Gehörlosen-Schulen immer noch fast nur lautsprachlich unterrichtet wird. Aber nur 30% der Wörter lassen sich ablesen und so gehen eben 70% des Unterrichtsstoffes an den gehörlosen Kindern vorbei. Da kann man sich ausrechnen, wie eben 70% der Bildungsinhalte - des Lebens - an den Kindern vorbei geht.
Gehörlose oder auch schwerhörige Kinder seien darauf angewiesen, schon früh auch die Gebärdensprache zu erlernen, doch wer soll sie ihnen nahe bringen, wenn z.B. die Eltern Hörende sind.
Die CD-ROM setzt bei 3-jährigen Kindern an, bei denen gerade erst festgestellt worden ist, dass sie gehörlos, oder hochgradig schwerhörig sind. Diesen Kindern muß man die Möglichkeit geben, mit Gebärdensprache aufzuwachsen. Und für deren hörenden Eltern ist es auch wichtig Gebärdensprache zu können um mit ihren Kindern gemeinsam einen Grundwortschatz aufzubauen.
Erhältlich ist die CD-ROM für DM 98,50 direkt bei Karin Kestner in Guxhagen oder über den Buchhandel. Sie können sie aber auch im Internet über www.kestner.de bestellen.
mit freundlicher Genehmigung © 2000 hr4