Elternhilfe

Hilfe für Eltern gehörloser Kinder

Elternberichte

 

Neue Beurteilung des Kindes durch den Direktor

Sehr geehrte Frau XXX,

zur Ihrer Anfrage nehmen wir wie folgt Stellung:

Das Kind XXX hat unseren Schulkindergarten in XXX nie besucht.

Das Angebot unserer stationären Frühfördergruppe (tageweise Förderung in unserer Einrichtung, zusammen mit der Mutter bzw. den Eltern) wurde bis jetzt nur dreimal in Anspruch genommen (17.101996/10.04.1997/29.07.1997). Problematisch war hierbei, dass die Eltern eine Gruppe mit dem Förderangebot von Gebärden gewünscht haben, unser pädagogisches Konzept jedoch eine überwiegend lautsprachorientierte Förderung beinhaltet. Die besonderen Forderungen der Eltern im Hinblick auf Gebärdensprachförderung führten in der Vergangenheit immer wieder zu kontroversen Diskussionen über die adäquate Förderung von XXX. Ein Schreiben unsererseits vom 11.02.1998 mit der Bitte, uns gegenüber die Wünsche hinsichtlich der weiteren Förderung darzustellen, wurde nicht beantwortet.

Nach unseren Informationen besucht XXX ausschließlich die Spielgruppe BABU in Basel, zweimal wöchentlich nachmittags. Im Herbst 1997 hat XXX vorübergehend zweimal wöchentlich nachmittags den allgemeinen Kindergarten in XXX besucht.

Das Kind XXX soll zum Schuljahr 2000/2001 eingeschult werden. Angestrebt ist die Einschulung in einen Schulversuch "Bilinguale Förderung Hörgeschädigter", welcher die primäre Förderung über Gebärde zum Ziel hat. Dieser Schulversuch wird voraussichtlich an der Schule für Gehörlose, Schwerhörige und Sprachbehinderte in Heidelberg/Neckargemünd durchgeführt. Nähere Informationen hierzu sind beim Oberschulamt Karlsruhe zu erhalten.

Das Kind XXX wird im Rahmen der ambulanten Frühförderung durch Sonderschullehrerin XXX betreut. Frau XXX besucht alle 2 - 3 Wochen in regelmäßigen Abständen die Familie. Der letzte Besuch war allerdings am 30.06.1999. Gegenwärtig ist Frau XXX schwer erkrankt und eine Vertretungsmöglichkeit besteht nicht. Sie berichtet über XXX als ein sehr aufgewecktes, interessiertes, waches und gut zu motivierendes Kind.

Spielregeln begreift es schnell. Es kommuniziert in erster Linie gebärdensprachlich und die Gebärden begleitet es seit ca. 1 Jahr lautsprachlich, wobei es aber erst wenige Laute exakt artikulieren kann. XXX beherrscht seit Frühjahr 1998 das Fingeralphabet. Die Mutter kann dem Kind mit Hilfe des Fingeralphabets Wörter diktieren, die das Kind fast fehlerfrei aufschreiben kann. Auch seit ca. 1 Jahr kann das Kind einzelne Schriftbilder inhaltlich erfassen. Obwohl es inzwischen antlitzgerichtet ist, bereitet dem Kind das Mundablesen noch Schwierigkeiten. Ebenfalls seit etwa 1 Jahr ist es zu artikulatorischen Übungen und dem Abfühlen von Einzellauten bereit.

Seit ca. 2 Jahren arbeitet das Kind mit Computerprogrammen. Bücher schaut es sich mit großem Interesse und großer Konzentration an. Es stellt außergewöhnlich Fragen im Vergleich zu gleichaltrigen gehörlosen Kindern. Durch die Gebärdensprache hat es sich bereits ein sehr großes Wissen angeeignet, von der das Kind auch provitiert, indem es in der Lage ist, Zusammenhänge zu erkennen und Ursachen zu begreifen. Zahlen sind bis 20 bekannt. Nach den Hörgeräten verlangt das Kind XXX von sich auch nicht. Es trägt sie aber stundenweise. Nach Einschätzung von Frau XXX wird XXX von seinen Eltern sehr gut gefördert und ist gleichaltrigen gehörlosen Kindern teilweise überlegen. Die Mutter ist stets sehr interessiert an Materialien, altersentsprechenden Büchern und Spielen an Fördermöglichkeiten. Großes Interesse zeigt sie am IBM-Sprechspiegel.

Da das Kind XXX unseren Schulkindergarten nicht besucht hat und lediglich weitere sachbezogene Informationen über die ambulante Frühförderung gemacht werden können, kann in dem von Ihnen gewünschten Maße nicht zwischen diesen beiden Förderabschnitten differenziert werden.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

XXX

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