Elternhilfe

Hilfe für Eltern gehörloser Kinder

 

Persönlicher Bericht von Frau P.

 

 

Mein Sohn ist gehörlos geboren und mit 3,5 Jahren mit CI versorgt. Er hat bis heute, er ist 16 Jahre, keinen Nutzen in sprachlicher Hinsicht aus dem CI ziehen können. Er spricht, trotz jahrelangen Trainings, für Fremde völlig unverständlich! Durch jahrelanges Kämpfen bis zum Kultusministerium hat nun (2006) mein Sohn einen gut gebärdenden Klassenlehrer und auch in Englisch eine Lehrerin, die sogar Gebärdensprachdolmetscherin ist. Mein Sohn ist in der 8/9.Klasse (zusammengelegt)! Zuvor hatte er nie Unterricht in Gebärdensprache. Die Gebärdensprache hat er durch mich gelernt, ich musste sie als hörende Mutter aber auch erst lernen. Sämtlichen Unterricht, bis heute, musste ich ihm zuhause in Gebärdensprache wiederholen, damit er überhaupt etwas lernt! Er hätte sich die ganzen Jahre den Gang zur Schule sparen können!

In allen anderen Fächern, wie Sport, Werken, Religion, Physik, Chemie, HTW und Mathe hat er Lehrer, die nicht gebärden können, und er versteht oft nichts, gar nichts! Ich bin gezwungen, mit ihm zu Hause alles in Gebärdensprache nachzuarbeiten. In den Schulstunden müssen andere etwas besser hörende Kinder für ihn übersetzen, was der Lehrer gerade erklärt. So geht der größte Teil vom Inhalt der Unterrichtsstunde verloren.

Möchte mein Sohn andere Kinder, die im Internat leben, besuchen, gibt es oft so schwerwiegende Kommunikationsprobleme mit den Erziehern, sodass er völlig genervt wieder nach Hause geht. Meistens muss ich dann im Internat anrufen, um zu erklären, was mein Sohn dort wollte. Es ist ein Internat der Hörgeschädigtenschule, auch mit völlig gehörlosen Kindern, in dem die Erzieher keine Gebärdensprache beherrschen!

Leider gib es auch keine Gebärdensprachkurse an der Schule. Es gibt nur in F. im Gehörlosenzentrum Kurse für Anfänger und einen für Fortgeschrittene. Für alle, die schon etwas weiter sind in Gebärdensprache, gibt es keine Möglichkeit sich weiterzubilden.

In der Hörgeschädigtenschule befindet sich ein Lehrerkollegium, von ca. 40 Lehrern, (können auch ein paar mehr sein), nur 2 davon können Deutsche Gebärdensprache.

Einen Gebärdensprach-Kurs (5 Abende), der nach Protesten seitens Eltern und Frau Kestner endlich durchgeführt wurde, musste von der Englischlehrerin (gleichzeitig Dolmetscherin) durchgeführt werden, die auch nicht begeistert war von den wenigen Stunden, die sie zur Verfügung gestellt bekam. Auch wäre ihr lieber gewesen, wenn ein Gehörloser den Kurs durchgeführt hätte. Aber die Schule will nicht wirklich Gebärdensprache benutzen oder unterstützen, wie man daran wieder erkennen kann.

Der Bedarf an Gebärdensprache im Unterricht und an Gebärdensprach-Kursen wird immer noch nicht gesehen. Lehrern, die Gebärdensprache lernen wollen, also endlich Interesse zeigen, wird z. B. mitgeteilt, sie hätten ja hauptsächlich mit schwerhörigen Kindern mit CI und HG zu tun, (die sind aber in meinen Augen auch so gut wie gehörlos) deshalb bräuchten sie Gebärdensprache nicht zu lernen und werden auch von der Schule nicht darin unterstützt. An die Kinder, die sowieso nichts hören wird nicht auch nur einen Augenblick gedacht!

Frau P.

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