Elternhilfe

Hilfe für Eltern gehörloser Kinder

 

Dortmunder Realschule für Hören und Kommunikation

Interview mit einer Mutter

Karin Kestner 14.11.2006

 

Karin Kestner interviewte im September 2006 Frau M. L. zur Schulsituation ihres zwölfjährigen Sohnes L. (gehörlos).

KK: M., wir hatten seit einigen Jahren immer mal wieder Kontakt, wenn es um die Schulsituation Eures gl. Sohnes L. ging. Nun ist es so, dass L. seit August 2004 die Rheinisch Westfälische Realschule Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation in Dortmund besucht. Wie geht es ihm an der Schule in Dortmund?

ML: Es geht ihm gut und er hat sich schnell hier eingelebt. Er genießt es sehr, dass er sich mit seinen gl. Klassenkameraden locker über alles unterhalten kann und die Kommunikation mit seinen Lehrerinnen und Lehrern meistens klappt.

KK: Seid Ihr extra wegen der Schule nach Dortmund gezogen und warum habt Ihr Euch für Dortmund entschieden?

ML: Wir sind wegen der Schule für L. nach Dortmund gezogen und wir hatten Glück, dass sich das mit der beruflichen Situation meines Mannes vereinbaren ließ und sogar beruflich für ihn eine Erleichterung darstellte. Von der Dortmunder Schule wussten wir vom Hörensagen, dass es einige Lehrer geben soll, die regelmäßig Gebärdensprachkurse bei der Firma Lorenz in Köln belegen. Weil die erste Sprache unseres Sohnes DGS ist, ist es für seine kognitive und emotionale Persönlichkeitsentwicklung unverzichtbar, dass die Kommunikation auch im Schulunterricht weiterhin funktioniert. Glücklicherweise stimmte das "Hörensagen" über einen Teil der Dortmunder Lehrkräfte und wir sind sehr froh, dass Luis sich mit dem überwiegenden Teil seiner Lehrerinnen und Lehrer auf relativ hohem Gebärdensprachniveau verständigen kann. Es gibt sogar einen gehörlosen Lehrer an der Schule, der Mathematik und Sport unterrichtet und der Gebärdensprach-AGs am Nachmittag anbietet. Ab 1.1.07 wird voraussichtlich an der Schule eine gl. Sozialarbeiterin arbeiten.

KK: Bevor ich weitere Fragen zum Thema Gebärdensprache stelle, wüsste ich gerne von Dir einige Zahlen von der Dortmunder Realschule: Wie viele Schüler besuchen diese Schule und wie viele Lehrer unterrichten dort?

ML: Zum Schuljahr 2006/2007 besuchen 272 Schüler die Realschule. Davon sind 108 gehörlos und 164 schwerhörig. Es sind 28 Klassen. Im Internat wohnen 94 Schüler. An der Schule unterrichten 46 Lehrer. Davon sind zwei Lehrer Lehramtsanwärter. Die Zahlen habe ich aus der letzten Schulgemeindeversammlung im vergangenen August. Etwa ein Viertel der Lehrer besucht, wie schon vorhin erwähnt, regelmäßig Gebärdensprachkurse. Soweit mir das bekannt ist, werden diese Lehrer überwiegend in den Gehörlosenklassen eingesetzt.

KK: Auf der Website der Realschule (www.realhoer.de) taucht nicht ein einziges mal das Wort Gebärdensprache auf. Kannst Du etwas dazu sagen?

MK: Das ist wahr. Die Hauptausrichtung der Schule ist der hörgerichtete Unterricht und die Lautsprache. Das Wort Gebärdensprache oder der Begriff "Bilingualer Unterricht" wird nur von einer Minderheit der Lehrkräfte vertreten, obwohl im Schulgesetz in Nordrhein-Westfalen die Laut- und Gebärdensprache im Unterricht gleichberechtigt sind. Aktuell wird an der Schule diskutiert, wie man damit umgehen soll, dass der Gesetzgeber eine Bewertung für Laut und/oder Gebärdensprache vorschreibt, obwohl es z.B. keinen Unterricht in Gebärdensprache gibt. Eine hochinteressante Diskussion, die überwiegend fair geführt wird.

KK: Es freut mich für Euch zu hören, dass L. im Großen und Ganzen mit seiner Schule Glück zu haben scheint und sich Euer Umzug nicht als Fehlschlag erwiesen hat. Ich bedanke mich für das Gespräch.

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