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Elternberichte

 

Biancas Werdegang - Teil 2

In letzter Zeit habe ich mich mal durch die verschiedenen Foren im Internet gearbeitet. Was ich dort gelesen habe, fand ich teilweise sehr erschreckend. Mit welcher Vehemenz dort das Pro und Contra CI erörtert wird. Doch Betroffenen hilft das wenig, es verunsichert sie nur mehr.

Meiner Tochter kann durch ihr zusätzliches Handikap das CI nicht nutzen, doch es hätte auch anders kommen können. Wie würde ich dann heute denken?

Man sollte Betroffene ehrlich und objektiv über das CI informieren. Sie mit anderen Eltern zusammenbringen. Eltern, die beide Seiten vertreten. Auch sollte man den betroffenen Eltern vor Ort die Möglichkeit bieten, sich mit Gehörlosen auszutauschen. Vielleicht kann man so im Vorfeld schon Berührungsängsten entgegenwirken. Viele Eltern sind durch den Schock der Diagnose meist noch vollkommen verwirrt und voller Fragen.

In unserem Fall denke ich, dass die Ärzte und Therapeuten damals schon wussten, wie es ausgehen wird. Das meiner Tochter das CI keine Vorteile bringen wird. Warum wurde uns das nicht offen und ehrlich mitgeteilt? Hätte ich damals eine Anlaufstelle gehabt, in der man mich mit klaren Fakten aufklärt, wie hätte ich entschieden? Denn damals war ich voller Angst. Was wusste ich über die Gebärdensprache, über die Gehörlosenkultur? Nichts! Wäre die Information damals besser gewesen, hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, hätte ich meine Tochter nicht implantieren lassen. Ich war eine unwissende hörende Mutter und wollte nach meinem damaligen Wissen das Beste für mein Kind.

Doch was für jedes einzelne Kind das Beste ist, können die Eltern nur selbst entscheiden. Sie kennen die Diagnose, wissen um ihre Stärke, und müssen für ihr Kind das Für und Wieder abwägen. Für ein Kind ist das CI vielleicht hilfreich, für das andere nicht.

Manche Kinder werden mit dem CI in der hörenden Welt klar kommen, manche jedoch nicht. Die betroffenen Eltern sollten aufgeklärt werden, das die Gebärdensprache in jedem Fall wichtig für ihre Kinder ist. Denn was ist z.B. in Situationen, in denen sie das CI nicht tragen können? Was ist, wenn sie im Erwachsenenalter das CI nicht mehr wollen? Die CI-Träger werden immer in zwei Welten leben. Für welche sie sich am Ende entscheiden, sollte man ihnen überlassen.

Meine Tochter hat sich entschieden. Früher habe ich gedacht: wenn sie wenigstens ihre Umwelt durch Geräusche wahrnimmt. Heute weiß ich, dass das nicht wichtig ist. Ich habe auch keine Angst mehr. Durch meine Tochter habe ich gelernt, meine Umwelt verstärkt über meine anderen Sinne wahrzunehmen. Ihre Welt ist eine andere. Ich will damit nicht sagen, das diese schöner oder besser ist, nein, sie ist.....intensiver, farbiger. Es lässt sich schwer in Worte fassen.

Meine Familie lebt in einer zweisprachigen Welt, wie viele tausend andere Familien auch. Nur bei uns ist es nicht z.B. eine deutsch-italienische, bei uns ist es eine deutsch-gebärdensprachliche Familie. Es ist manchmal nicht einfach, doch das liegt meiner Meinung nach nicht an der Gehörlosigkeit meiner Tochter, sondern mehr an der Intoleranz vieler unserer Mitbürger gegenüber Minderheiten.

Liebe Grüße (Kontakt über Karin Kestner)

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