Elternhilfe

Hilfe für Eltern gehörloser Kinder

Elternberichte

 

Biancas Werdegang

Hallo Frau Kestner!

Seit Kurzem haben wir Internet und heute bin ich durch Zufall auf Ihre Seiten gestoßen. Danke. Sie sind wirklich sehr informativ und super gemacht.

Nachdem ich alles gelesen habe, sitze ich jetzt hier vor meinem PC und bin furchtbar traurig und wütend. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Eltern und Kinder sind, die negative Erfahrungen mit dem CI gemacht haben. Man hört ja sonst hauptsächlich nur das Positive.

Ich möchte Ihnen ein wenig von meinem Kind erzählen:

Meine gehörlose Tochter wurde mit 3,5 Jahren implantiert. Der Weg bis dahin war schon schlimm, aber was danach kam war furchtbar.

Schon als ich zum Hospitieren im hörgeschädigten Kindergarten war und hinterher im CI-Centrum, habe ich immer gedacht, irgend etwas passt nicht, meine Tochter ist anders.- Aber das waren ja nur die Gedanken einer überbesorgten Mutter! Es wird schon, alles braucht seine Zeit, das Kind ist halt stur und verzogen!- Tja, als meine Tochter ca. 5 Jahre alt war, kam die Diagnose: starke autistische Züge. Und die Aussage, die bisherigen Therapien habe diese Züge nur verstärkt. Vom CI-Centrum kam damals nur: das haben wir uns schon lange gedacht. Ich muss dazu sagen, meine Tochter wurde erst von der Klinik und vom CIC abgelehnt. Erst als der Arzt erfuhr, dass sie eine seltene Missbildung der Innenohren hatte, wurde sie operiert. An das, was wir alles im CIC erlebt haben, mag ich mich gar nicht erinnern. Heute denke ich sehr oft, was habe ich meinem Kind nur angetan! Denn die ganze Zeit musste man sie zu den Therapien zwingen, sie wollte nicht, es war nicht ein Fortschritt zu erkennen. Wenn ich Einwände hatte, hörte ich immer: haben Sie doch Geduld!

Anfangs biss meine Tochter oft die Kabel vom CI durch, dann fing sie an, es zu Hause abzulegen. Sie trug es nur noch zur Schule. Irgendwann hab ich gedacht, warum? Wenn sie es doch nicht will! Ich rief im CIC an und sagte, das wir nicht mehr zur Einstellung kommen, weil meine Tochter das CI nicht mehr tragen wird (Da war sie 8 Jahre alt). Sie können sich sicher vorstellen, was ich da zu hören bekam. Aber es war mir egal. Denn ich hatte das Gefühl, dass das CI ihr überhaupt nichts bringt. (Bis zum heutigen Tag spricht meine Tochter nicht ein Wort.) Im Gegenteil ohne das CI war sie ruhiger und ausgeglichener. Ich mache mir zum Vorwurf, dass ich nicht schon früher den Mut hatte, mich über die Meinung der Ärzte und Therapeuten hinwegzusetzen und einfach nur zu tun, was mein Kind mir vermittelte.

Nach langer Odyssee, von Arzt zu Arzt, von Kindergarten, Schulen usw. ist meine heute fast 14 jährige Tochter im Taubblinden-Zentrum in Hannover. Sie ist dort seit drei Jahren glücklich und zufrieden, lernt langsam aber stetig Gebärden. Dadurch bekommt sie endlich die Möglichkeit zu kommunizieren. Man hat dort lange gebraucht, um ihr Vertrauen zu gewinnen, sie aus ihrer sich zum Schutz aufgebauten Welt heraus zu locken.

Ich habe einige LBG-Kurse gemacht und versuche es an meine Tochter weiter zu geben. Es ist jedoch sehr schwierig. Sie lernt nur sehr, sehr langsam. Sie haben berichtet, das auch Eltern mit älteren Kindern Tommys-Gebärdenwelt nutzen. Das würde ich gern mit meiner Tochter versuchen.

Mutter (Kontakt über Karin Kestner)

weitere Elternberichte

 

 
 
Copyright © 1999-2016 Verlag Karin Kestner | Impressum | AGB